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Torschlusspanik? NEIN DANKE!

    Do, 19/11/2009 - 11:32 – S.Grönwoldt

    Die Jahresendrallye kann beginnen, die Liquidität am Markt ist vorhanden: Hohe Kapitalsummen von Großinvestoren und Fonds liegen bereits wieder auf dem Tisch und die Notenbanken pumpen weiter neues und billiges Geld in die Systeme – als gäbe es kein Morgen.

    Die Risikobereitschaft wächst im gleichen Maße wie die Krisenmüdigkeit. Und um die Aufmerksamkeit für das Thema Krise nicht zu verlieren, präsentieren die Medien die Kuriositäten unseres Wirtschaftssystems entsprechend spektakulär: Wir sehen feiernde Banker nebst Champagnerflaschen und Gogo-Tänzerinnen, die auf die Frage nach dem Ende der Finanzkrise süffisant antworten: „Wieso, hat sie schon begonnen?“.

    Das Wort „Nachhaltigkeit“ hat für diese ehrgeizigen Investmentbanker offenbar kaum mehr Bedeutung, als der Begriff „Credit Default Swap“ für den Normalbürger. Doch die Banker allein verkörpern nicht den Zeitgeist unserer angeblich schwersten Krise seit 1929. Wir alle gehören zum System und haben große Probleme mit Veränderungen. Krise bedeutet für uns ein paar Monate Katzenjammer - und dann darf alles so weiterlaufen wie zuvor.

    Die Börse scheint diese Entwicklung jedenfalls zu wollen. Das Sentiment ist seit Wochen erstaunlich freundlich und die Kraft der Bullen ungebrochen. Doch die Ökonomen leben bekanntlich in ihrer eigenen (nicht selten realitätsfernen) Welt: Für die Analysten von Goldman Sachs verläuft die Krise am europäischen Aktienmarkt beispielsweise pauschal in vier Phasen: 1. Verzweiflung; 2. Hoffnung; 3. Wachstum; 4. Optimismus. Wir befinden uns nach Einschätzung dieser Fachleute bereits in Phase 2 und überwinden gerade die Talsohle. Nach steigenden Unternehmensgewinnen werden wir voraussichtlich 2010 die Phase 3 erreichen, in der die Renditen schneller wachsen als die Gewinne. In der Phase 4 überholen die Renditequoten schließlich das Gewinnwachstum – und die nächste Krise steht vor der Tür. So einfach ist das. In der Börsenwelt.

    Der Club of Rome hat es bereits 1972 prophezeit: Unser Wachstum hat Grenzen

    In der realen Welt hingegen verstärkt jede neue Wirtschaftkrise auch eine übergeordnete Sinnkrise, die durch neuerlich einsetzende Boomphasen der Wirtschaft lediglich kaschiert wird. Der Zeitgeist sieht die Welt in Form eines Kuchens, von dem sich jeder noch schnell eine möglichst große Scheibe abschneiden will. Doch die Welt ist kein Kuchen! Lediglich unsere Ressourcen sind begrenzt. Und diese Tatsache werden die Menschen weltweit in den kommenden Jahren schmerzlich erfahren.

    Doch Torschlusspanik ist keine geeignete Reaktion. Für eine nachhaltige Entwicklung brauchen wir Bereitschaft für grundlegende Veränderungen unseres gesamten Systemverhaltens. Der Begriff „Change“ darf nicht nur die verhallende Wahlkampfparole eines smarten US-Präsidenten sein. Politiker aller Nationen müssen konsequente Maßnahmen zum Umweltschutz und zur Begrenzung des Kapitalwachstums durchsetzen, die Unternehmen ihr Nachhaltigkeitsmanagement optimieren, die Finanzindustrie nachhaltige Investments anbieten und die Menschen ihr Konsumverhalten ändern. Zugegeben: Kein einfaches Szenario.

    Doch mit der Fortführung des „Business as usual“ steuern wir direkt auf einen neuen Crash zu - und in absehbarer Zeit auf einen gewaltigen Kollaps.
     

    Sven Grönwoldt

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