You are here: Startseite / Jeder ist Trader

Jeder ist Trader

    Di, 20/03/2007 - 13:28 – M.Protzel

    CFD ein Glücksspiel? (Ein Artikel von Alexander Adrian)
    Der Anlass zu folgendem Artikel ist ein Beitrag aus der Financial Times Deutschland mit dem Titel „Jeder ist Trader“ vom 12. April 2007. Hierbei werden CFDs als Zockerprodukte par excellence vorgestellt. Zudem fordert der Bremer Psychologieprofessor, dass der Staat die Plattformbetreiber zu denselben Vorsorgemaßnahmen wie Glücksspielanbieter zwingen sollte. Damit einhergehen würden ein Verbot aggressiver Werbung, intensive Mitarbeiterschulungen, rigide Zugangskontrollen sowie umfangreiche Programme zur Prävention und Früherkennung von Suchtfällen.

    CFD vs. Option
    Da frage ich mich persönlich, wo der Unterschied zu anderen derivativen Produkten (Optionen, Optionsscheine, Zertifikate,…) ist. Im letzten Jahr haben deutsche Anleger Derivate im Wert von 110 Mrd. Euro gehandelt, wobei nur ein geringer Bruchteil auf CFDs entfällt. Im Gegensatz zu einer Option, welche für den unstudierten Mathematiker aufgrund der komplexen Black & Scholes Formel, die zur Berechnung des Optionswertes herangezogen wird, ist die Berechnung bei CFDs wesentlich transparenter und leichter nachzuvollziehen als das oben erwähnte Derivat. Zur Veranschaulichung möchte ich Ihnen nur mal die Formel für eine Teilberechnung bei einer Option zu Gemüte führen:

     

    Dazu die Erklärung aus Wikipedia: „Black & Scholes zeigen in ihrem Artikel, dass unter Annahme einer konstanten Zins- und Volatilitätsentwicklung die Option durch ein geeignetes Portfolio bestehend aus dem Basiswert S und einer Anlage oder einem Kredit mit dem Zinssatz r dynamisch dupliziert werden kann: Der faire Preis der Option bestimmt sich daher als diskontierter Erwartungswert, der bezüglich der Lognormalverteilung zu bilden ist (Konzept der risikoneutralen Bewertung).“ Alles klar?

    Dies ist nur eine von vielen Formeln, die bei der Berechnung einer Option zum Tragen kommen. Diesbezüglich ist die Handhabung eines CFDs wesentlich einfacher, da hier der Aktienkurs 1:1 widergespiegelt wird. Das heißt, wenn Sie eine adidas-Aktie in Ihr CFD-Depot einbuchen möchten, dann bekommen Sie auch den real gehandelten Kurs als „virtuelle Aktie“ eingebucht. Dieser CFD macht dann exakt die gleiche Bewegung mit wie die Aktie an der entsprechenden Heimatbörse. Die einzige Rechenarbeit, die der Kunde nun leisten muss, liegt in der Berechnung der Finanzierungskosten, welche sich ganz einfach mittels Zinsformel ergeben:

    Zinsformel = K * p t / 360 *100

    Beispiel: 10 adidas-Aktien entsprechen bei einem Kurs von 42,50 Euro exakt 425,00 Euro. Wenn Sie diese Position jetzt über Nacht halten möchten, müssen Sie lediglich die Finanzierungskosten von 3 Prozent auf den Eonia (Euro Overnight Index Average), aktuell bei 3,83 Prozent, aufschlagen und in die Zinsformel einsetzen. Sprich:

    1 * 425 Euro * 6,38 / 360 * 100 Tage = 8 Cent

    Während die Berechnung bei Optionsscheinen, dem aktuellen Aktienkurs, Zinssatz, Delta, Gamma, Vega, Theta, Rho und Optionselastizität unterliegt, reicht obige Formel zur Berechnung eines CFDs. Hierbei sind lediglich der aktuelle Aktienkurs sowie der Eonia zu berücksichtigen. In Bayern würden wir diese beiden Produkte vermutlich mit „Schafkopf“ (CFD) und „Watten“ (Option) vergleichen. Während beim Schafkopf alle Karten im Spiel sind und somit eine Berechnung nach den ersten Zügen möglich ist, sind beim Watten lediglich 20 von 32 möglichen Karten auf dem Tisch, womit dies ein reines Glücksspiel ist.

    Sucht: Nein; Workaholic: Ja
    Eine aggressive Werbung ist meines Erachtens ehrlich und zeigt dem Anleger sowohl die Chancen als auch die Risiken, wenn sich innerhalb von Sekunden der Kontostand rasant zulegt bzw. einknickt. Damit werden besonnene Anleger abgeschreckt und Zocker, welche sowieso schon im Derivate-Bereich tätig sind, wie Nachtfalter vom Licht angezogen. Im Gegensatz zu den bösen Heuschrecken agiert die oben erwähnte Insektenart zumeist allein im stillen Kämmerchen und nutzt kleinste Kursschwankungen zum Ein- und Ausstieg, um das Kapital zu vermehren.

    Diese so genannten Daytrader profitieren von der Hebelkraft der CFDs und den dauerhaften Mini-Schwankungen in den verschiedensten Branchen und Sektoren. Diese einstigen Zocker haben in den letzten Jahren durch harte Arbeit und eiserne Disziplin (Risiko & Moneymanagement) ihr Hobby zum Beruf gemacht. Und genau dieser Gruppe steht nun mit CFDs ein hervorragendes Produkt zur Erweiterung ihrer Einsatzpalette zur Verfügung. Ähnlich wie jemand der Selbstständig ist, hängt das Einkommen dann selbstverständlich von seiner Einsatzbereitschaft ab. Je mehr er handelt und dadurch Erfahrungen sammelt, desto höher wird später auch sein Einkommen sein. So gesehen wäre jeder Selbstständige, welcher sich ein eigenes Unternehmen aufbaut und dafür rund um die Uhr arbeitet, als Suchtgefährdeter zu bezeichnen.

    CFD: Spiel mit dem Feuer?
    Ist die anwachsende Welt der Derivate wirklich die Wurzel allen Übels? So hat selbst Warren Buffett, der Großmeister der Spekulation, derivative Produkte als finanzielle Massenvernichtungswaffe bezeichnet. Unbestritten: Mit der falschen bzw. ohne Strategie ist der Kapitaleinsatz aufgrund der Hebelwirkung meist schneller weg als bei normalen Investments im Aktienbereich.

    Andererseits kann der CFD-Händler neben Aktien auch noch in Rohstoffe und Anleihen investieren, womit er sein Risiko streut und dadurch für gewöhnlich minimiert. Des Weiteren steht dem Anleger mit der Short-Seite eine zusätzliche Variante zur Verfügung, um sein Verlustrisiko zu begrenzen. Somit bietet es sich an, ein CFD-Depot immer nur leicht in die jeweilige Trendtendenz des Gesamtmarktes auszurichten, um bei einem Rückschlag in die Gegenrichtung nicht völlig ungeschützt ins Verderben zu stürzen.

    Grundsätzlich kann ein CFD-Depot aber auch defensiv eingesetzt werden. Wenn nun z.B. ein Anleger DaimlerChrysler-Aktien im Wert von 1.500 Euro besitzt und entstandene Gewinne absichern möchte, kann er dies mittels einer CFD-Position tun. Dazu muss er nun lediglich 1.500 Euro / 60 Euro = 25 DaimlerChrysler-CFDs in sein CFD-Depot einbuchen. Das Beste an der ganzen Sache: für die Absicherung muss er nun lediglich die Margin von 3 Prozent hinterlegen. Dieser Airbag kostet ihn also lediglich 45 Euro, wenn der Investor eine Long-Position im realen Aktiendepot absichern möchte. Die 45 Euro sind aber keineswegs weg, sondern dienen lediglich als Sicherheitshinterlegung.

    Sobald die Gefahr vorüber ist, stellt der Trader die CFD-Position wieder glatt und hat somit seine Gewinne gesichert. Der eine oder andere Anleger wird nun natürlich argumentieren, warum der Daimler-Investor nicht gleich seine Position glattstellt und anschließend auf einem günstigeren Niveau wieder einsteigt. Theoretisch richtig, praktisch aber teuer, da ein reales Aktiengeschäft wesentlich kostenintensiver ist als die Handelsgebühren bei virtuellen Aktien.

    Nehmen wir hier zum Vergleich mit der comdirect einen der günstigsten Online-Broker in Deutschland. Zum Schließen und wieder Öffnen der Position wird hier zweimal eine Grundgebühr von 4,90 + 0,25 Prozent bzw. mindestens 9,90 Euro bei Beträgen unter 2000 Euro fällig, bedeutet also 19,80 Euro. Die gleiche Anlage in unserem Haus kostet den Kunden 7,50 Euro. Damit hat unser Kunde schon mal 12,30 Euro eingespart. Ein weiterer Knüller bei dieser Transaktion, der Kunde streicht bei einer Short-Spekulation Zinsen ein. Denn hier wird der Interbankenzinssatz, bei deutschen Aktien der Eonia (aktuell bei 3,38 Prozent), abzüglich eines Disagios von 3 Prozent, an den Kunden weitergereicht, womit sich der Spread zwischen den beiden vorgestellten Handelshäusern weitet:

    Der Kunde ist also nicht nur abgesichert, sondern erhält für die Haltedauer des CFDs auch noch Zinsen auf die Position und kann die Aktiengewinne nach einem Jahr steuerfrei einstreichen. Theoretisch funktioniert diese Variante auch bei Short-Absicherungen, hier werden allerdings Finanzierungskosten beim CFD fällig, die den Gewinn bei der Handelskommission langsam aufzehren. Dadurch ist die Haltedauer bei diesem Konstrukt zeitlich begrenzt.

    Nachschusspflicht: Fluch oder Segen?
    Des Weiteren wird in unserem Haus überaus großer Wert darauf gelegt, dass der Anleger lediglich 20 Prozent seiner liquiden Mittel in CFDs investiert. Das bedeutet für ein CFD-Depot der Größenordnung 5.000 Euro, dass der Investor weitere 20.000 Euro auf der hohen Kante haben sollte. Dies ergibt Sinn, denn…

    Die einzige wirklich große Gefahr bei CFDs lauert in der Nachschusspflicht, da diese trotz ausgereifter und professioneller Handelsplattform nicht auszuschließen ist. Besonders wenn der ansonsten besonnene Trader übermütig wird und sich der Hebel der 100er-Grenze annähert, sprich der Kunde hat 3.000 Euro Gesamtkapital und kauft im Wert von 300.000 Euro Index-CFDs auf den DAX (CFD-Kürzel: German30). Da kann dann das beste Handelssystem der Welt nicht mehr rechtzeitig liquidieren, wenn der deutsche Leitindex in die Gegenrichtung springt.

    Vergleichbar wäre diese Situation mit Poker, wenn der Kartenspieler „All-in“ geht und zusätzlich noch den Schlüssel für sein Auto auf den Tisch legt. Hat nun der Kontrahent das bessere Blatt, sind nicht nur alle Chips sondern auch der Wagen weg. In gewisser Weise entspricht das Auto der Nachschusspflicht. Dieser Gefahr muss sich der Trader bei einem hohen Hebel stets bewusst sein. Bei normalen Marktbewegungen und einem ausgewogenem Depot (Long und Short) wird in den meisten Fällen die automatische Liquidierung ein Nachschießen verhindern.

    Zudem erfolgt im Vorfeld üblicherweise ein Margin-Call, womit der Kunde in der Lage ist, seine Positionen zu reduzieren und damit genügend freies Kapital zu generieren, um das Blatt weiterhin selbst in der Hand zu halten. Da die Nachschusspflicht aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, stehen dem Investor dann immer noch 80 Prozent seiner liquiden Mittel zur Verfügung um sein Minus auf dem CFD-Depot auszugleichen.

    Ein schwacher Trost, aber vielleicht ist das Risiko der Liquidierung und einer daraus unter Umständen resultierenden Nachschusspflicht genau der richtige Ansatz, um den Kunden zu einem konsequenten Risikomanagement anzuhalten. Ein striktes setzen von Stop-Orders zur Absicherung ist im CFD-Bereich unerlässlich und verhindert, dass sich das Minus zum Einstiegskurs immer weiter ausdehnt und eine psychologische Wahrnehmungsverzerrung einsetzt: „Jetzt ist aber der Boden endgültig erreicht oder vielleicht doch nicht?“   

    Mitarbeiterschulung
    Hierbei kann ich nur auf die eigenen Erfahrungen in unserem Handelshaus zurückgreifen. Unsere Mitarbeiter werden vom ersten Tag an darauf geschult, den Kunden stets auf die Gefahren beim CFD-Handel hinzuweisen. Dies bedeutet, wenn wir bei einem Kunden feststellen, dass dieser mit einem Hebel 30 unterwegs ist, werden wir ihn darauf aufmerksam machen. Insbesondere wenn der Kunde bei uns anruft und seinem überhebelten, einseitig ausgerichteten Portfolio auch noch einen Index in selbiger Richtung zufügen möchte. Dies wäre am ehesten vergleichbar mit dem Einsatz des Fluxkompensators aus „Zurück in die Zukunft“, meinem Lieblingsfilm aus den 80igern, in dem mittels oben erwähnter Einrichtung Zeitsprünge möglich waren.

    Jeder kennt die Szene, als Michael J. Fox, verfolgt von libyschen Terroristen in den De Lorean springt und diesen auf 140 km/h beschleunigt, womit der Fluxkompensator ausgelöst wird und ihn 30 Jahre in der Zeit zurückkatapultiert. Dort angekommen verliebte sich seine Mutter in ihn, woraufhin seine Entstehung fast nicht zustande gekommen wäre. Zu einer ähnlichen Katastrophe kann es dann auch bei einem überhebelten Depot kommen, weswegen wir unsere Mitarbeiter stets anhalten, den Kunden zu informieren, wenn sie so ein Szenario entdecken.

    Broker vs. Market Maker
    Der gravierende Unterschied zwischen einem Market Maker und einem Broker besteht ganz einfach im Geschäftsmodell. Während der Market Maker zumeist die Gegenposition eingeht und somit daran interessiert ist, dass die Spekulation des Kunden nicht aufgeht, ist unser Brokerhouse an einer langfristigen Kundenbindung mit steigenden Depotvolumina interessiert. Denn wir profitieren nicht davon, wenn der Kunde beim ersten Trade sein gesamtes Vermögen verspekuliert. Dieses wandert dann meist in vollem Umfang abzüglich unserer Handelsgebühren in die Tasche des Market Makers. Genau aus diesem Grund raten wir auch dem erfahrenen Derivatehändler gemächlich zu beginnen und langsam zu starten.

    Fazit:
    Laut Warren Buffett, dem reichsten Investor aller Zeiten, sollte ein Anleger lediglich in die Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodell er auch versteht. Diesen Grundsatz sollten Sie auch in der großen Welt der Derivate beachten. CFDs sind nicht gefährlicher als eine Vielzahl anderer Produkte aber wesentlich transparenter als die Konkurrenz.

    In diesem Sinne…Ihr Alexander Adrian
     

    Tagged: , , ,

    Aktuelle Monatsausgabe

    CFD-Profi werden!

    Werden Sie Mitglied


    Als registrierter Benutzer haben Sie Zugriff auf den Videobereich und können eigene Kommentare verfassen. Melden Sie sich einfach an: >> Registrieren

    Werden Sie Mitglied


    Als registrierter Benutzer haben Sie Zugriff auf den Videobereich und können eigene Kommentare verfassen. Melden Sie sich einfach an: >> Registrieren

    Termine

    Kommentare

    Schlagwortwolke