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Leben Totgesagte länger?

    Do, 22/04/2010 - 11:33 – S.Grönwoldt

    Die Bankenbranche liefert wieder Skandale: Goldman Sachs hat angeblich unter Angabe falscher Daten verbriefte Hypothekenkredite verkauft  - und die Golden Boys sich dabei sogar von der US-Wertpapieraufsicht SEC erwischen lassen. Sind das die besten Anzeichen für eine Rückkehr zur Normalität?

    Die aktuellen Quartalsergebnisse der US-Großbanken erinnern jedenfalls stark an die Jahre vor der Finanzkrise. Besonders die Handelsabteilungen der Investmentbanken glänzen wieder mit hervorragenden Zahlen: Hier sind es ebenfalls die Banker von Goldman Sachs, die allein mit dem Aktien-, Rohstoff- und Rentenhandel im ausgelaufenen Quartal einen spektakulären Gewinn von 7,4 Milliarden US-Dollar erwirtschaften konnten – sogar mehr als je zuvor in der Geschichte der New Yorker Investmentbank. Und auch die Mitarbeitervergütungen erinnern an die goldene Zeit vor der Finanzkrise: Bis dato hat die Bank 5,5 Milliarden US-Dollar für die Fixgehälter und Boni ihrer Mitarbeiter reserviert.

    Die Bank of Amerika (CFD-Kürzel: BAC) und die Citigroup (CFD-Kürzel: C) feiern 2010 ebenfalls ein fulminantes Comeback. Vor der Finanzkrise galten beide Institute als wertvollste Unternehmen der Welt - bis sie im Zuge der amerikanischen Häuserkrise durch starke Wertverluste der Hypothekenanleihen zu großen Verlierern wurden. Allein die Citigroup musste damals rund 44 Milliarden US-Dollar über das staatliche Troubled Asset Relief Programm aufnehmen und 27 Prozent ihrer Aktien an die US-Regierung abtreten. 2009 rechneten viele Marktbeobachter sogar mit einer kompletten Zerschlagung des Finanzgiganten.

    Dank staatlicher Hilfsmittel und lukrativer Übernahmen - wie im Fall der Bank of America, die Anfang 2009 den Mitbewerber Merrill Lynch schluckte - konnten die großen systemrelevanten Player der US-Bankenbranche die Finanzkrise jedoch überleben: Die Citigroup meldete kürzlich sogar einen für viele Analysten überraschenden Q1-Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar und die Bank of Amerika einen Periodenüberschuss von immerhin 3,2 Milliarden US-Dollar. Beide Institute konnten mittlerweile auch ihre Schulden bei der US-Regierung begleichen.

    Die Vergangenheit hat es uns gelehrt: Auch große Tiere haben Schwächen

    Doch nicht alle Totgesagten leben länger: Namhafte Finanzinstitute wie Lehmann Brothers, Bear Stearns oder Merill Lynch sowie zahlreiche kleine Banken sind seit 2008 aus der US-Bankenlandschaft verschwunden. 2009 beantragten über 140 US-Finanzinstitute das Insolvenzverfahren oder wurden direkt von der Bankenaufsicht wegen Überschuldung geschlossen. Und auch im laufenden Jahr geht das Bankensterben munter weiter: Bis April 2010 haben in den USA bereits 50 Finanzinstitute dichtgemacht.

    Die erstaunlichen Ergebnisse der geretteten US-Großbanken im letzten Geschäftsquartal sind derweil also auch das Resultat der sinkenden Mitbewerberzahl am US-Finanzmarkt. Und darüber hinaus basieren die Ergebnisse auf recht simplen Geschäften: In den vergangenen Monaten haben die US-Banken billiges Geld der US-Notenbank in höher verzinste Staatsanleihen angelegt, ihre Gewinne auf dem Rentenmarkt erwirtschaftet (allen voran Goldman Sachs) oder eigene toxische Assets wieder aufgewertet (speziell Citigroup). Das klingt nicht gerade nach Einfallsreichtum und Aufbruchstimmung, sondern bestenfalls nach beruhigend risikofreien Geschäften. Die Renaissance der US-Finanzwirtschaft steht deshalb jedoch keineswegs auf festen Säulen: Spätestens bei einer Erhöhung der Zinsen durch die US-Notenbank werden auch die US-Banker erfahren, dass das neue Leben nicht umsonst ist.

    Sven Grönwoldt
     

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