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Sündenbock Halliburton?

    Di, 04/05/2010 - 15:34 – M.Protzel

    Im Golf von Mexiko droht eine der größten von Menschen verursachten Umweltkatastrophen. Am 20. April 2010 kam es zu einer Explosion auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon, welche zwei Tage später im Meer versank. Durch den verheerenden Unfall wird der begehrte Rohstoff nun zur schwarzen Pest, die mit einer Austrittsmenge von fast einer Million Liter pro Tag aus dem Leck im Bohrloch strömt. Ein Teppich von derzeit über 10.000 Quadratkilometern Ausdehnung treibt auf die Küste der Golfstaaten zu, wo bereits der Notstand ausgerufen wurde.

    Seit 2001 wurde die Plattform vom Ölfelddienstleister Transocean für den Weltkonzern BP betrieben und förderte das schwarze Gold aus Meerestiefen von über 1.000 Metern. BP und Transocean stehen als Betreiber und Auftraggeber nicht unverdient im Zentrum der Kritik. US-Präsident Obama will besonders BP in die Pflicht nehmen, doch auch andere beteiligte Konzerne wurden mittlerweile angeklagt.

    Dabei könnte ein weiteres Unternehmen der eigentliche Hauptverursacher der Katastrophe sein: Der amerikanische Industriedienstleister Halliburton soll bei seinen Arbeiten am Bohrloch verschuldet haben, dass sich das für derartige Notfälle vorgesehene Notventil nicht schließen konnte. Die Bohrröhre besteht aus massivem Zement und ist zudem noch mit Stahl ausgekleidet. Ursprünglich sollte Halliburton nach Beendigung der Bohrungen das Loch mit einem Betonpfropfen versehen und es somit bis zur Aufnahme weiterer Förderarbeiten versiegeln. Dies ist gängige Praxis bei Tiefenbohrungen.


    Ölplattformen im Nebel: Die Tiefenbohrungen gehen einher mit enormen Risiken...

    Auch gegen Halliburton sind bereits Klagen eingegangen, doch ist die tatsächliche Ursache noch nicht ausreichend geklärt, um den US-Konzern als alleinigen Sündenbock abzustempeln. Die Halliburton-Aktie fiel zwischen dem 23. und 29. April von 35,00 auf 29,00 US-Dollar. Seitdem hat sich das Papier wieder auf zuletzt 31,30 Dollar erholt.

    Die Anleger scheinen dem Unternehmen jedoch weiterhin zu trauen, schließlich ist Halliburton international in zahlreichen Branchen von Rohstoff- und Energiegewinnung bis hin zu Softwaredienstleistungen vertreten. Außerdem ist heftige Kritik nicht neu für die Amerikaner: Das einst vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney geleitete Unternehmen ist einer der wichtigsten Zulieferer des US-Militärs. Einen besonders schalen Geschmack hinterließ die Entscheidung der Bush-Administration, dem Konzern ohne öffentliche Ausschreibungen lukrative Aufträge im Irak zuzuschanzen.

    Im März 2007 wurde die Konzernzentrale vom Houston ins arabische Dubai verlegt, was Halliburton in den Augen seiner Landsleute ebenfalls keine Sympathiepunkte eintrug. Mit einem angepeilten Jahresumsatz von rund 15 Mrd. Dollar dürfte den Verantwortlichen der Liebesentzug ihrer Mitmenschen durchaus egal sein. Zwar begann das Jahr mit einem 46-prozentigen Gewinnrückgang auf 206 Mio. Dollar im ersten Quartal, wofür die niedrigen Ölpreise des Vorjahres verantwortlich gemacht wurden. In diesem Jahr jedoch könnte das Unternehmen durch steigende Ölpreise und seine breite Palette an Dienstleistungen zu einem echten Gewinner werden.

    Bleibt abzuwarten, ob der schwarze Peter der Ölkatastrophe am Ende Halliburton zugesteckt wird. In diesem Fall würden nicht nur Schadensersatzzahlungen an die betroffenen Staaten drohen, auch BP könnte auf die Idee kommen, sich seine Ausfälle von seinem amerikanischen Partner ersetzen zu lassen.

    Matthias Protzel
     

    Ausblick

      Hanse Trader Hanse Trader Meta Kursziel Tendenz
    Halliburton HAL (US) - 35,00 US-Dollar  
    BP BP (UK) LSE.BP 6,50 Pfund  

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