You are here: Startseite / Das Ende der AAA-Ära

Das Ende der AAA-Ära

    Di, 01/06/2010 - 09:30 – S.Grönwoldt

    Göttlichen Offenbarungen schenkt heute kaum noch jemand Glauben. Selbst die einst so bedeutenden Weissagungsstätten in Griechenland sind nur noch Einnahmequellen der Tourismusindustrie. Beratungsgespräche mit kompetenten Orakeln haben die Mächtigen des Landes hier schon lange nicht mehr geführt.
     
    Komplett ohne Hinweise und Zeichen höherer Instanzen als Rechtfertigungsgrund für unser Handeln kommen wir aber auch nicht aus. Auf einem hochrichterlichen Ross der Unfehlbarkeit sitzen heute beispielsweise Agenturen, die mit kleinen kryptischen Buchstabenkombinationen (AAA, AAB, AA-, BB+, CCC,…) und geheimnisvollen Kriterien die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten bewerten.

    Die drei mächtigsten Institutionen sitzen nicht mehr in Delphi, Olympia oder Klaros, sondern in New York und beherrschen heute rund 95 Prozent des fröhlichen Rate- und Ratingspiels: Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch. Ihre Herkunft ist vergleichsweise profan: Moody’s wurde in den 20er Jahren zunächst von Investoren damit beauftragt, die Anleihen von US-Eisenbahngesellschaften zu bewerten. Erst in den 70er Jahren wendete sich das Blatt und das Unternehmen wurde fortan von den Emittenten bezahlt und 1975 schließlich zusammen mit Standard & Poor’s und Fitch von der US-amerikanischen Börsenaufsicht offiziell als Ratingagentur anerkannt.

    Objektive, unabhängige und transparente Bewertungsmethoden sollten fortan die Grundvoraussetzungen für die exklusive und verantwortungsvolle Rolle der drei Agenturen sein. Doch die Zeit offenbarte auch die Fehlbarkeit dieser Institute: Spätestens seit der Subprime-Krise 2007/2008 sind die Folgen ihrer unrealistischen Ratings bekannt. Und auch beim jüngsten Vorwurf des Wertpapierbetrugs gegen Goldman Sachs haben die großen Agenturen mit ihren Topratings wieder für negative Schlagzeilen gesorgt und die Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Bewertungen geschürt.


    Die Bewertungsmethoden von Moody's, Fitch und Standard & Poor's bleiben ein Geheimnis

    Doch was tun, wenn auf die Götter kein Verlass mehr ist und ihre pauschalen Bewertungen zu selbsterfüllenden Prophezeiungen mit fataler Wirkung verkommen? Die Rolle der Ratingagenturen im Zusammenhang mit der Schuldenmisere Griechenlands sowie der daraus resultierenden Währungskrise hat nun sogar die Politiker diesseits des Atlantiks dazu veranlasst, die Möglichkeiten einer Entmachtung der drei US-Unternehmen und die Schaffung einer neuen unabhängigen europäischen Ratingagentur zu diskutieren. Ein angesehener deutscher Ökonom hat es in diesen Tagen sogar sehr deutlich formuliert: Es gibt keinen echten Wettbewerb unter den Ratingagenturen und keine Rechenschaftspflicht. Die drei großen Agenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch haben „bisher in jeder Krise massiv versagt“ und es bedarf daher der Gründung einer „europäischen, nicht gewinnorientierten Ratingagentur“. Der zitierte Ökonom heißt übrigens Peter Bofinger und ist einer der deutschen Wirtschaftsweisen. Hoffentlich bleibt er auf dem Boden und wird erhört.

    Sven Grönwoldt

    Aktuelle Monatsausgabe

    CFD-Profi werden!

    Werden Sie Mitglied


    Als registrierter Benutzer haben Sie Zugriff auf den Videobereich und können eigene Kommentare verfassen. Melden Sie sich einfach an: >> Registrieren

    Werden Sie Mitglied


    Als registrierter Benutzer haben Sie Zugriff auf den Videobereich und können eigene Kommentare verfassen. Melden Sie sich einfach an: >> Registrieren

    Termine

    Kommentare

    Schlagwortwolke