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Kaviar, Krimsekt und Öl

    Fr, 21/11/2008 - 19:04 – M.Protzel

    Steht eine milliardenschwere Übernahme in der Ölbranche bevor? Neuesten Berichten zufolge haben gleich mehrere Interessenten beschlossen, sich den spanischen Petrochemie- und Erdölkonzern Repsol YTF (CFD-Kürzel: REP) unter den Weihnachtsbaum zu legen. Aktuell ist ein Anteil von 30 Prozent vakant, auf den sich der russische Ölmulti Lukoil bisher die besten Hoffnungen machen kann.

    Die Russen versuchen schon seit geraumer Zeit, stärker in den westeuropäischen Markt einzusteigen. Mit Spaniens größtem Ölkonzern würde sogar noch die Eintrittskarte für den lateinamerikanischen Markt dazukommen, wo die Spanier stark engagiert sind. Auch arabische Investmentgesellschaften sollen in der Verlosung sein, doch gilt bislang nur Lukoil als heißer Kandidat. Das russische Unternehmen ist bereits in Italien aktiv, aber auch in Ägypten, der Ukraine und dem Irak vertreten. Die Hauptfelder des russischen Unternehmens liegen in Sibirien. 2007 verbuchte Lukoil 48,6 Mrd. Euro Umsatz und 6,9 Mrd. Euro Gewinn. Übernahmekandidat Repsol brachte es im gleichen Zeitraum auf 52,1 Mrd. Euro Umsatz bei einem Nettogewinn von 3,2 Mrd. Euro.

    Die spanische Regierung äußerte keinerlei Vorbehalte, da Lukoil kaum staatlich beeinflusst ist und mit Conoco-Phillips sogar einen US-amerikanischen Großaktionär hat. Doch stehen einer möglichen Übernahme noch die Großaktionäre von Repsol im Weg. Größter Anteilseigner ist momentan der Baukonzern Sacyr Vallehermoso (CFD-Kürzel: SYV) mit 20,01 Prozent. 9 Prozent an Repsol liegen in Händen der Beteiligungsgesellschaft Criteria Caixa, die der spanischen Sparkasse Criteria Caixa Corp. (CFD-Kürzel: CRI) gehört, welche damit insgesamt 14 Prozent an Repsol hält.

    Bei einer Übernahme von mehr als 30 Prozent müsste Lukoil allen Aktionären von Repsol ein Pflichtangebot unterbreiten. Da nach spanischem Recht die Stimmrechte aller Aktionäre auf 10 Prozent limitiert sind, wäre für die Kontrolle des Unternehmens erforderlich, dass Lukoil auf einen Anteil von mindestens drei Viertel der Aktien käme.

    Der Baukonzern Sacyr soll daran Interesse haben, sein Paket zumindest teilweise zu verkaufen, da er aufgrund der kriselnden Baubranche dringend Bares benötigt. Für das ganze Paket verlangt Sacyr 6 Mrd. Euro, bzw. 27,00 Euro pro Aktie, was dem Preis entspräche, den das Unternehmen 2005 selbst bezahlte. Allerdings ist diese Preisvorstellung bei Repsols Aktienkurs von aktuell nur 13,60 Euro kaum haltbar, zumal auch das gesamte Paket Lukoil nicht zur Kontrolle über Repsol reichen würde. Eine Einigung mit Sacyr und Criteria Caixa ist dennoch letztendlich unumgänglich.

    Bisher gibt es noch nichts über konkrete Verhandlungen zu berichten. Sollten jedoch tatsächlich noch weitere liquide Interessenten auftauchen, könnte sich schnell eine der Übernahmeschlachten entwickeln, wie sie die Rohstoffbranche in den vergangenen Jahren immer wieder in Atem gehalten haben.

    Matthias Protzel

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