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Heilsbringer Ren(n)minbi?

    Mi, 23/06/2010 - 15:28 – S.Grönwoldt

    Wenige Tage vor Beginn des diesjährigen G20-Gipfels in Kanada hat China seine Kooperationsbereitschaft im Währungsstreit mit Europa und den USA signalisiert. Die westlichen Industriestaaten hatten die Währungspolitik der chinesischen Zentralregierung zuvor beharrlich kritisiert und besonders die US-Regierung den niedrig gehaltenen Wechselkurs des Renminbis zum US-Dollar als Wettbewerbsverzerrung und Benachteiligung der US-Exportwirtschaft verurteilt.

    Im Juni verkündete die chinesische Regierung schließlich auf der Internetseite ihrer Zentralbank, sie wolle die Reform der Wechselkurspolitik weiter vorantreiben und die Flexibilität des Wechselkurses erhöhen. Eine erste Aufwertung des Renminbis erfolgte dann auch tatsächlich am 22. Juni 2010, wobei es sich dabei zunächst nur um einen symbolischen Schritt handelte: Die Notenbank erhöhte die Tagesrate des Renminbis gegenüber dem US-Dollar um lediglich 0,42 Prozent.

    Das Interesse der Chinesen an einer Aufwertung ihrer Währung bleibt also offensichtlich begrenzt. Zwar würde ein stärkerer Renminbi ihre Kaufkraft erhöhen und somit die chinesischen Auslandsinvestitionen vorantreiben. Doch mit dem festen Wechselkurssystem und der niedrigen Bewertung des Renminbis konnten die Chinesen bisher erfolgreich eine Inflation abwenden und zugleich ihre Exportindustrie unterstützen. Darüber hinaus besitzt China US-Dollarbestände von mittlerweile rund 2400 Mrd. US-Dollar, die aufgrund der Exporterlöse sowie zur Stabilisierung des Wechselkurses von der chinesischen Zentralbank aufgebaut wurden. Auch diese Devisen wollen die Chinesen früher oder später für Investitionen nutzen. Eine höhere Bewertung des Renminbis würde also nicht nur die chinesische Exportwirtschaft schwächen und somit Arbeitsplätze gefährden, sondern zusätzlich auch die Dollarreserven der Chinesen abwerten.

    Für eine weiterhin niedrige Bewertung der Volkswährung hat die Zentralregierung in Peking also handfeste Gründe. Und sogar für die USA war die Währungspolitik Chinas in den vergangenen Jahren durchaus von Vorteil, denn schließlich haben die Asiaten durch ihre Dollarkäufe indirekt die Staatsverschuldung der Amerikaner gestützt.

    Die ersten Reaktionen auf die jüngsten währungspolitischen Signale Chinas waren dennoch überaus positiv. Auch an den internationalen Börsen sorgte die angekündigte Lockerung des Wechselkurses zunächst für gute Stimmung und ließ in Europa und den USA sowie an den asiatischen Märkten die Kurse steigen. Zu den größten Gewinnern gehörten vornehmlich US-amerikanische und europäische Exportwerte. An den deutschen Märkten waren Automobilwerte wie BMW und Daimler sowie die im TecDax gelisteten Solartitel Conergy, SMA Solar und Q-Cells gefragt. Die Rohstoffpreise stiegen nach der Ankündigung der chinesischen Zentralbank ebenfalls, denn viele Marktteilnehmer erwarten bei einer weiteren Aufwertung des Renminbis eine verstärkte Rohstoffnachfrage der Chinesen. Der August-Kontrakt des WTI-Rohöls wurde zwischenzeitlich mit 79,90 US-Dollar gehandelt, die Preise für Industriemetalle verteuerten sich ebenfalls deutlich.


    China könnte mit Dollar-Reserven oder harten Renminbis auch US-Exportunternehmen kaufen

    Die Freude über das Signal aus Peking war jedoch gegen Ende des Monats bei den meisten Marktteilnehmern wieder vergangenen. Und tatsächlich sollten die aktuellen Zugeständnisse der chinesischen Regierung nicht überbewertet werden, denn eine marktgerechte Aufwertung der chinesischen Währung müsste nach Expertenschätzungen bei rund 20 Prozent liegen. Die aktuelle Maßnahme der Chinesen wird hingegen kaum etwas an der verzerrten internationalen Arbeitsteilung an den Finanz- und Gütermärkten ändern: Die hochverschuldete US-Regierung unterhält weiterhin ihren überdimensionierten Finanzsektor und auch die Wettbewerbsvorteile der chinesischen Exportwirtschaft bleiben vorerst bestehen.

    Sven Grönwoldt

     

    Ausblick

      Hanse Trader Hanse Trader Meta Kursziel Tendenz
             
    BMW  BMW BMWG 41,00 €  
    Daimler
     DAI  DAIGn 46,00 €  
    Conergy
     CGY - 0,50 €  
    SMA Solar
     SMA S92G 108,00 €  
    Q-Cells
     QCE QCEG 5,80 €  

     

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