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Gold – Zuflucht für große Tiere

    Fr, 09/07/2010 - 16:01 – S.Grönwoldt

    In schwierigen Zeiten gilt Gold bekanntlich als beliebte Zuflucht. Auch nach dem Ausbruch der Finanzkrise Ende 2008 stieg das Interesse der Investoren am Edelmetall rasant: Kaum zwei Krisenjahre nach dem Insolvenzantrag der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 bezahlten Händler für die Feinunze Gold bereits 1257,85 US-Dollar – ein Anstieg von über 60 Prozent!

    In einer Hinsicht gleicht Gold jedoch allen anderen Anlageformen: Es sind nicht die Kleinanleger, die mit dem Kauf oder Verkauf von 20-Gramm-Münzen den Marktpreis maßgeblich beeinflussen, sondern die großen institutionellen Investoren: Geschäfts- und Zentralbanken rechnen beim Gold nicht in Gramm, sondern in Tonnen. Und wenn eine dieser großen Institutionen plötzlich entscheidet, einen Teil dieser Positionen zu verkaufen, zittert der Markt und der Kursverlauf des vermeintlich beständigen Metalls ändert plötzlich doch seine Richtung.

    Als im September 2009 der IWF den Verkauf von rund einem Achtel seiner gesamten Goldreserven für einen Gegenwert von rund 8,8 Milliarden Euro ankündigte, hatte der Goldpreis gerade die 1000er-Marke durchbrochen. Doch die Händler blieben zunächst zuversichtlich, zumal der Verkauf der 403,3 Tonnen Gold viele Monate zuvor vom IWF angekündigt und das Gold nicht auf dem freien Markt sondern nur staatlichen Organisationen angeboten wurde. Im Jahr 2010 sieht die Situation jedoch schon anders aus: Nachdem viele der großen internationalen Notenbanken in den Krisenmonaten 2009 noch zu den Nettokäufern des Edelmetalls gehörten, mehren sich aktuell die Anzeichen dafür, dass die hochverschuldeten Staaten zur Bekämpfung ihrer Liquiditätsprobleme große Mengen ihrer Goldreserven verkaufen. Bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben einem offiziellen Bericht zufolge mehrere Banken im ersten Quartal 2010 insgesamt 346 Tonnen Gold hinterlegt und dafür im Gegenzug liquide Mittel in Höhe von 13 Mrd. US-Dollar erhalten.

    Ungewiss ist derweil die Herkunft der 346 Tonnen: Die BIZ verwaltet vornehmlich internationale Devisenreserven und gilt in dieser Funktion auch als „Bank der Zentralbanken“. Die Goldgeschäfte im ersten Quartal 2010 wurden nach Aussage der in Basel ansässigen Organisation allerdings ausschließlich mit Geschäftsbanken abgewickelt. Die Menge des Goldes lässt jedoch vermuten, dass internationale Notenbanken ebenfalls in die Transaktionen involviert sind und die Geschäftsbanken lediglich als Zwischenhändler fungieren. Auch das im September 2009 aufgehobene Verbot von Goldgeschäften zwischen Zentralbanken und der BIZ legt diese Vermutung nah.

    Allein die südeuropäischen Pleitestaaten Portugal, Italien, Spanien und Griechenland besitzen nach Angaben des World Gold Council zusammen 3227 Tonnen Gold. Diese Länder könnten sich durch Swap-Geschäfte mit der BIZ hervorragend mit Liquidität versorgen und somit ihre marode Finanzlage verbessern. Für den Goldpreis hätte diese Konstellation allerdings erst dann schwerwiegende Folgen, wenn die Staaten ihre Goldreserven nicht zum vereinbarten Zeitpunkt von der BIZ zurückkaufen würden und die entsprechenden Positionen stattdessen auf dem freien Markt landen.

    Ganz ohne Umschweife wirkte hingegen die chinesische Regierung auf den Goldpreis ein, als sie Anfang Juli 2010 ankündigte, sie wolle in Zukunft weniger Goldreserven aufbauen und stattdessen verstärkt in US-Staatsanleihen investieren. Der Kurs des Edelmetalls fiel nach dieser Ankündigung prompt um mehrere Prozentpunkte. Vor einem Jahr gehörte China noch zu den aktivsten Goldkäufern und besaß Ende 2009 bereits über 1.000 Tonnen des Edelmetalls. Damals hatte die chinesische Zentralbank sogar damit begonnen, Münzen und Barren an die Bevölkerung zu verkaufen. Ob die Menschen der Volksrepublik China mit dieser Anlageform gut beraten waren, wird sich voraussichtlich schon bald herausstellen.

    Sven Grönwoldt

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