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USA – Lokomotive auf dem Abstellgleis?

    Fr, 27/08/2010 - 11:44 – S.Grönwoldt

    Die Vereinigten Staaten von Amerika waren viele Jahrzehnte die Lokomotive der Weltkonjunktur. Und auch heute beeinflusst die Entwicklung an den US-Börsen noch maßgeblich das Sentiment an allen anderen internationalen Marktplätzen. Ein Sprichwort umschreibt diese Dependenz sehr treffend: „Wenn die USA husten, bekommt die Welt einen Schnupfen“.

    Doch der Druck im Kessel der US-Wirtschaft scheint zu schwinden und die aktuellen makroökonomischen Daten das Vertrauen in die Weltmacht USA weiter zu dämpfen: Die Staatsverschuldung und die Zahl der Langzeitarbeitslosen verweilen auf Rekordhöhen, während der für die USA so wichtige Häusermarkt das Tief, in das er vor zwei Jahren rutschte, nicht wieder verlassen will. Das alles klingt nicht mehr nach einem Husten, sondern eher nach einer chronischen Erkältung.

    Auch der Tenor unter den Ökonomen und Politikern ändert sich: Der aktuelle US-Notenbankchef Ben Bernanke bezeichnete den Ausblick für die US-Wirtschaft kürzlich als „außergewöhnlich unsicher“ und sein Vorgänger Alan Greenspan warnte – mit für ihn untypisch deutlichen Worten – vor einer erneuten Rezession. Der Präsident der Federal Reserve von Chicago, Charles Evans, bezeichnete die aktuelle Situation der US-Konjunktur sogar als „Sumpf“. Und der große Häuptling Barack Obama sucht die Schuldigen für das schwache Wirtschaftswachstum mittlerweile im alten Europa, von dem er nach eigenen Aussagen deutlich mehr Wachstumsimpulse für die Weltkonjunktur erwartet.

    Europas Politiker sparen jedoch und versuchen (zumindest) ihre Schuldensituation durch Sparmaßnahmen in den Griff zu bekommen, während die Manager der hiesigen Unternehmen verstärkt ihren Blick in Richtung Osten wenden. Zahlreiche Konzernchefs in Deutschland – der aktuellen Wachstumslokomotive Europas mit einer berechtigten Hoffnung auf einen nachhaltigen Aufschwung – haben in diesen Tagen im Rahmen ihrer Quartalsberichte und Prognosen für das zweite Halbjahr 2010 die Bedeutung der konjunkturellen Entwicklung und Nachfrage in den Schwellenländern hervorgehoben, während sie vom US-Markt in Zukunft allenfalls eine stagnierende Entwicklung erwarten.


    Ich kaufe, also bin ich? Wie lange kann die US-Wirtschaft noch auf den nationalen Konsum bauen?

    Werden die Märkte der Schwellenländer also zu den neuen Triebfedern der globalen Ökonomie? Nun, solange die Anleger bei schwachen US-Konjunkturdaten noch in den Dollar und in US-Anleihen flüchten, hat ein solcher Paradigmenwechsel offenbar noch nicht stattgefunden. Und ohnehin wird die Entwicklung hin zu einer neuen Weltordnung nicht innerhalb weniger Jahre vollzogen und auch keine neue Weltmacht (etwa China) auftauchen, die die USA gewissermaßen im Rollenspiel der Machtigen ablöst. Vielmehr wird in den kommenden Jahren eine neue globale Interdependenz entstehen.

    Und während dieser Prozess läuft, werden die Menschen weltweit eine lange und arbeitsreiche Ära erleben und vor allem die Bevölkerung der westlichen Industrienationen ihre Ansprüche zurückschrauben. Der amerikanische Lebensstil wird dann nicht mehr das Maß aller Dinge sein – und die US-Konjunktur nur noch eines von vielen Zugpferden am Kutschbock.

    Sven Grönwoldt
     

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