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Alitalia- Der sinkende Stern

    Mo, 10/12/2007 - 00:00 – M.Protzel

    Es scheint wie eine nicht enden wollende Geschichte: Die Suche der italienischen Regierung nach einem Käufer für die sieche Fluggesellschaft Alitala (CFD-Kürzel: AZPI). Seit zehn Jahren hat das Staatsunternehmen nur im Jahr 2002 Gewinn gemacht, für 2006 allein steht ein Nettoverlust von 600 Mio. Euro zu Buche. Die 20.000 Mitarbeiter hatten einen Umsatz von 4,7 Mrd. Euro erreicht und in ihren 182 Maschinen gut 24 Mio. Passagiere befördert. Im weltweiten Ranking der Airlines reicht es nur noch für Platz 27, in Europa steht die Alitalia immerhin noch an fünfter Stelle, macht aber laut Branchenexperten derzeit 1 bis 2 Mio. Euro Verlust pro Tag. Besonders bitter ist das Absacken im Heimatmarkt, wo der Marktanteil nur noch etwa 50 Prozent beträgt. In den 90er Jahren waren es noch 80 Prozent gewesen.

    Der Staat Italien hält insgesamt 49,9 Prozent am Stimmrecht der Fluglinie, will aber mindestens 39,9 Prozent abtreten. Etliche Interessenten wurden schon von den hohen Preisvorstellungen der Italiener vergrault. Immerhin muss der Käufer sich auch verpflichten, Alitalia zu sanieren. Die Kosten dafür werden auf mindestens 2 Mrd. Euro geschätzt.

    Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM, die bereits 2 Prozent an Alitalia hält, soll jetzt vorgeschlagen haben, ein Projekt zur „Rückeroberung des italienischen Marktes“ zu starten. Alitalia soll dabei als Marke unter den Fittichen des Luftfahrtriesen erhalten bleiben. Air France-KLM zeigt jedoch wenig Neigung, den als überbewertet angesehenen Börsenpreis von 1,1 Mrd. Euro zu zahlen. Ein verbindliches Angebot steht nach wie vor aus.

    Auch die Deutsche Lufthansa schreckte bisher stets vor den hohen Kosten einer Übernahme zurück. Widerstand gegen derartige Pläne formiert sich besonders im Aufsichtsrat der deutschen Fluglinie. Italienischen Medien zufolge wäre ein Angebot der Lufthansa an Bedingungen geknüpft. So sollten angeblich bis zu 5.000 Stellen gestrichen und 50 Flugzeuge aus dem Dienst genommen werden.

    Auch Air France-KLM würde vermutlich bis zu 3.000 Angestellte entlassen. Ein Ausbau des Bestandes wäre vermutlich nur unter dem Interessenten Air One zu erwarten. Die ebenfalls italienische Gesellschaft, deren Marktanteil in Italien bei 33 Prozent liegt, will auf eine Stärkung des Langstreckenbetriebs setzen.

    Zu guter Letzt signalisierte auch ein Konsortium von Bietern um den Juristen Antonio Baldassare Kaufinteresse. Es verbleibt das selbe Problem wie mit allen „Bietern“ - es gibt viele gut gemeinte Ansätze, aber die eigentlichen Gebote bleiben aus.

    Zu lange hielt die italienische Regierung an ihren Bedingungen fest, einen hohen Preis für eine marode Gesellschaft erzielen zu wollen. Mit jedem Tag wird Alitalia zu einem schwereren Klotz am Bein eines möglichen Käufers. Ist der italienische Staat zu spät abgerückt von Forderungen wie dem Verzicht auf Stellenabbau und Verbleib der Marke in Italien? Seit dem Fall unter die 1 Euro Grenze im Sommer dümpelt die Aktie im Bereich von 0,85 Euro herum, scheinbar günstig, aber dennoch ungeliebt von den Anlegern, die sich von nebulösen Ankündigungen nicht mehr reizen lassen. Alles hat den Anschein, als könnte nur ein definitives Gebot, gekoppelt mit einem realistischen Konzept den Kurs noch abfangen und den gesunkenen Stern der Alitalia wieder auf  die einst gewohnte Höhe bringen.

    Matthias Protzel

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