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Geld regiert die Welt - aber wie?

    Do, 04/11/2010 - 08:22 – S.Grönwoldt

    Die Hoffnung auf eine Rückkehr stabiler Verhältnisse am Finanzmarkt löste in den Sommermonaten 2010 eine wahre Euphorie unter den Investoren aus und verleitete viele Devisenhändler zum Kauf risikoreicher Währungen. Der in Krisenzeiten als sicherer Hafen geltende US-Dollar verlor dabei entsprechend an Wert und kleinere Währungen wie etwa der neuseeländische Dollar konnten deutlich zulegen. Selbst der im ersten Halbjahr 2010 noch als Problemwährung verschmähte Euro konnte gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich wieder deutlich aufwerten.

    Mittlerweile wächst jedoch wieder die Unsicherheit am Devisenmarkt. Die Schlagworte der Stunde sind „Währungskrieg“ und „Abwertungswettlauf“. Und angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung und anhaltend hohen Staatsverschuldung in den USA bleibt auch die Stabilität der Märkte ein frommer Wunsch. Der US-Dollar scheint gleichzeitig seinen Stellenwert als sichere Krisenwährung zu verlieren und könnte bald sogar einen schweren Kollaps erleiden, wenn etwa China einen Teil seiner rund 1700 Milliarden US-Dollar verkauft, die zuvor von der chinesischen Zentralbank als Devisenreserve und zur Abwertung der eigenen Währung aufgestockt wurden.

    Wunschdenken am Anleihemarkt

    Die internationale Geldpolitik hat im ohnehin prekären Börsenmonat Oktober in diesem Jahr für zusätzliche Orientierungslosigkeit unter den Anlegern gesorgt und am Anleihemarkt bisweilen sogar für absurdes Wunschdenken: In Europa konnten im September gleich mehrere verschuldete Randstaaten ihre Anleihen problemlos am Markt platzieren – trotz negativer Nachrichten, lahmender Wirtschaft und Herabstufung der Kreditwürdigkeit der jeweiligen Länder durch die Ratingagenturen.

    Auch die Leitwährung und Staatsanleihen der Japaner wurden in jüngster Zeit eifrig gekauft, obwohl das asiatische Land mit rund 200 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet ist und kaum noch weiß, wie es die Renten seiner stark alternden Bevölkerung in Zukunft zahlen soll. Woher kommt also dieses unbegrenzte Vertrauen der (zumeist japanischen) Anleger in die Entwicklung der dortigen Staatsfinanzen?


    Wohin geht die Reise: für den Greenback, den Euro, den Yen, den mexikanischen Peso?

    Ein rein asiatisches Phänomen ist das blinde Vertrauen in staatliche Finanzen jedenfalls nicht, denn auch westlich des Atlantiks ist die Neigung zu unerklärlicher Risikobereitschaft zurzeit stark ausgeprägt: Zuletzt konnte Mexiko neue Staatsanleihen mit einer Laufzeit von hundert Jahren zu einem Zinssatz von lediglich 6,1 Prozent erfolgreich platzieren. Hundertjährige Staatsanleihen eines Landes also, in dem zurzeit Drogenkartelle die Politik einschüchtern, Rohölquellen versiegen und die Landeswährung in den vergangenen fünfzig Jahren mehrmals abgewertet wurde.
     

    Abwertungswettlauf – mit welchem Ziel?

    Weltweit regieren die Zentralbanken zurzeit auf den wachsenden Druck an den Märkten. Neben den großen Weltmächten stützen auch Schwellenländer wie Indien, Indonesien, Taiwan oder Brasilien ihre Exportwirtschaft und den wackligen konjunkturellen Aufschwung durch währungspolitische Maßnahmen – und überbieten sich dabei mittlerweile gegenseitig: Die brasilianische Regierung bekämpft die Aufwertung der Landeswährung Real durch höhere Steuern für ausländische Investitionen in brasilianische Staatsanleihen, die japanische Zentralbank pumpt billiges Geld in den Markt und senkt den Leitzins auf fast null Prozent und die chinesische Regierung erhöht auf internationales Drängen die Tagesraten des Renminbis zwar zaghaft, kauft gleichzeitig aber mit der eigenen Währung weiterhin fleißig US-Dollar.

    Und die US-amerikanischen Notenbanker werden voraussichtlich bald den Geldhahn erneut öffnen und 600 Milliarden zusätzliche US-Dollar in den Markt pumpen. Denn die Entwicklung der ehemals mächtigsten Volkswirtschaft ist alles andere als stabil: Das Bruttoinlandsprodukt stieg in den USA im dritten Quartal 2010 um rund zwei Prozent, was angesichts der hohen Arbeitslosenrate und immensen  Staatsverschuldung keineswegs als beruhigendes Zeichen gedeutet werden kann.

    Doch wem nützen Konjunkturprogramme letztlich, wenn diese nur auf kurzsichtiger Geldpolitik und Manipulation der Wechselkurse basieren? Die Antwort ist recht einfach: In erster Linie den aktuellen Regierungen der jeweiligen Länder. Und dies gilt selbstverständlich auch für China, wo die Legitimation der Zentralregierung mehr denn je vom Wachstum der Wirtschaft und von der Stabilität der Landeswährung abhängt. Von einem tatsächlichen Währungskrieg, der in Protektionismus und einem Handelskrieg mündet, profitiert mittel und langfristig jedoch niemand.

    Sven Grönwoldt

     

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