You are here: Startseite / Schwellenländer des neuen Jahrzehnts

Schwellenländer des neuen Jahrzehnts

    Mo, 27/12/2010 - 09:53 – S.Grönwoldt

    Handelt es sich bei Südafrika um ein Entwicklungs- oder bereits um ein Schwellenland? Und was machen eigentlich die braven und aufstrebenden Panther- und Tigerstaaten? Stehen China und Indien noch auf der Schwelle oder sind sie bereits in die Riege der Weltmächte aufgestiegen? Und vor allem: Sind derartige Kategorien überhaupt sinnvoll?

    Diese Fragestellung wird spätestens seit den 80er Jahren kontrovers diskutiert. Und heute ist die Kategorisierung einzelner Länder anhand von Entwicklungsindikatoren schwieriger als je zuvor. Die Weltbank bezeichnet aktuell 49 und der Internationale Währungsfonds sogar 149 Staaten als Schwellenländer. Berücksichtigt werden dabei vornehmlich ökonomische und politische, aber auch demographische, soziale und kulturelle Kriterien.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch bleibt die Einstufung von Ländern nach ihrem vermeintlichen Entwicklungsstand hingegen eher undifferenziert. Sogar Wirtschaftjournalisten neigen dazu, Staaten wie Brasilien, China und Indien allzu unkritisch und pauschal als Schwellenländer zu bezeichnen. Doch welche Kriterien werden dabei berücksichtigt?

    Zu den wichtigsten Entwicklungsindikatoren gehört heute ohne Zweifel der Umweltschutz. In Brasilien war es allerdings Ende 2010 ausgerechnet der deutsche Konzern ThyssenKrupp, der mit einer nagelneuen Industrieanlage gegen die Emissionsvorschriften des aufstrebenden südamerikanischen Landes verstieß. Die Financial Times berichtete hierzu: „Das Stahlwerk in Brasilien ist mit einem Investitionsvolumen von 5,2 Mrd. Euro das bisher größte Projekt des Essener Konzerns. Von Anfang an stieß ThyssenKrupp in dem Schwellenland jedoch auf Probleme“.

    Und die Probleme des deutschen Traditionsunternehmens in Brasilien sind tatsächlich bemerkenswert, denn sie verdeutlichen die globale wirtschaftliche und politische Entwicklung an einem konkreten Beispiel. Noch vor wenigen Jahren konnten europäische Konzerne veraltete und umweltschädliche Produktionsanlagen problemlos in die sogenannte Dritte Welt verschiffen. Doch heute entsprechen die technischen Standards und Umweltvorschriften in vielen sogenannten Schwellenländern bereits denen der traditionellen Industriestaaten. Und wer diesen Entwicklungsstand ignoriert, bekommt früher oder später Probleme.


    Wo liegen die Wachstumspole im kommenden Jahrzehnt..?

    Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts leben wir in einer multipolaren Welt mit neuen Gesetzen und veränderten Machtverhältnissen. Alte Sprachregelungen wie Erste und Dritte Welt, Geber und Bittsteller, Führer und Geführter sind daher längst überholt. Und auch Begriffe wie Schwellen- oder Entwicklungsland sollten zu Beginn des neuen Jahrzehnts überdacht werden. Die globalen makroökonomischen Daten sprechen ohnehin schon längst für sich: Allein der Anteil der sogenannten Entwicklungsländer am weltweiten BIP in Kaufkraftparitäten beträgt mittlerweile über 43 Prozent, die Aktienmärkte der asiatischen Schwellenländern vereinen gut 30 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung und die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sind mit rund einem Drittel der globalen Nachfrage wesentlich für das Weltwirtschaftwachstum verantwortlich.

    Und in den kommenden Jahren werden die globalen wirtschaftlichen Verschiebungen weiter zunehmen. Besonders China will rasch in der Wertschöpfungskette aufsteigen und nicht nur der große Spielzeug- und Schuhhersteller bleiben. Mittlerweile ist es auch die asiatische Supermacht, die im großen Stil ihre weniger produktiven Industrieanlagen in andere Länder auslagert. Veraltete Produktionswerke exportieren die Chinesen zurzeit gern nach Afrika, dem einzigen Kontinent also, der die Produktionsrevolution bisher komplett verpasst hat. Und vielleicht errichten die Asiaten in einigen Jahren auch in Europa ihre Industrieanlagen. Dann aber hoffentlich unter Berücksichtigung der Umweltgesetze.

    Sven Grönwoldt

    Aktuelle Monatsausgabe

    CFD-Profi werden!

    Werden Sie Mitglied


    Als registrierter Benutzer haben Sie Zugriff auf den Videobereich und können eigene Kommentare verfassen. Melden Sie sich einfach an: >> Registrieren

    Werden Sie Mitglied


    Als registrierter Benutzer haben Sie Zugriff auf den Videobereich und können eigene Kommentare verfassen. Melden Sie sich einfach an: >> Registrieren

    Termine

    Kommentare

    Schlagwortwolke