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Es ist noch nicht vorbei!

    Fr, 28/11/2008 - 12:12 – C.Janz

    Stephan Heibel, Chefredakteur des Heibel-Tickers, plaudert im Market Report über seine Motivation, einen Börsenbrief zu schreiben, die aktuelle Finanzsituation und über Chancen in den volatilen Zeiten.

    C.Janz: Herr Heibel, wir haben Ihren Börsenbrief aufmerksam studiert. Woher kommt Ihre Begeisterung für den amerikanischen Markt?

    S.Heibel: Spätestens seit 1944 ist der amerikanische Markt tonangebend für die Märkte auf der ganzen Welt. Wie lange das noch so ist, darüber kann man streiten. Derzeit aber ist es wichtig, diesen Markt unter Beobachtung zu halten, wenn man fundamental analysiert.

    Die persönliche Seite der Faszination erlangte mich, als ich 2 Jahre in den USA gelebt habe. Sowohl während meiner Zeit als Bankkaufmann als auch im Studium der Volkswirtschaftslehre habe ich mich in meiner Freizeit mit der Börse auseinandergesetzt. Als ich nun für meinen Arbeitgeber in den USA war und dort viel Freiraum hatte, verstärkte sich das Interesse noch viel mehr. Die dann auch geographische Nähe zu den amerikanischen Märkten brachte mich dazu, meine Erkenntnisse über Abhängigkeiten in den Marktentwicklungen auch an deutsche Leser weiterzugeben.

    Man hat jetzt in der derzeitigen Situation wieder sehr deutlich vor Augen geführt bekommen: Die Subprime-Krise in den USA hat unter anderem maßgeblichen Anteil an der weltweiten Finanzkrise – Ursprung USA.

    C.Janz: Ist die Immobilienkrise vorbei?

    S.Heibel: Ein deutliches Nein. Es gibt immer noch ein erschreckendes Überangebot an Häusern in den USA. Die großen Bauunternehmen bekommen immer noch Kredite und die Anzahl der Neubauten ist auch nach wie vor größer als die Nachfrage. Das ändert also noch immer nichts daran, dass es einen großen Leerstand gibt und die Preise weiter verfallen. Und der Hausbauer hat nicht das Vertrauen der Banken wie der große Baukonzern – er hat unter immer höheren Zinsen zu leiden. In der Realwirtschaft also besteht das Problem nach wie vor. Das muss nicht bedeuten, dass es sich auf die Aktienkurse auswirkt, die ja bekanntlich immer 6 bis 9 Monate drehen bevor die Krise auch in der Realwirtschaft ankommt.

    C.Janz: Ein weiteres Thema ist derzeit die Kreditkartenkrise. Wie schätzen Sie dies ein? Und haben wir hier in Deutschland mit einer ähnlichen Krise auch noch zu rechnen?

    S.Heibel: Diese Krise ist  in ihrer Größenordnung mit der Immobilienkrise nicht zu vergleichen. Die Kreditkartensysteme dort funktionieren auch anders als hier bei uns. Man sagt nicht umsonst, um als Amerikaner zu gelten benötigt man drei Dinge: Die Sozialversicherungsnummer, einen Führerschein und mindestens eine Kreditkarte. Unzählige Unternehmen geben Kreditkartenlimits in niedriger Höhe ohne Bonitätsprüfung aus - hier in Deutschland undenkbar. Zudem erfolgt die Rückzahlung nicht wie bei uns im nächsten Monat sondern in Raten. Deshalb ist es klar, dass dort ein enormes Volumen aufgetreten ist. Und auch immer ein Bodensatz bleibt. Dennoch: die meisten Kreditkartenbesitzer zahlen ihre Raten brav ab. Das Volumen von aktuell rund 1 Billion US-Dollar ist nicht zu vergleichen mit dem wesentlich höheren Volumen offener Immobilienkredite.

    C.Janz: Aktuell streiten sich in den USA Republikaner und Demokraten um die Subventionierung der drei großen amerikanischen Automobilkonzerne. Es fiel sogar die Aussage „Lasst Detroit bankrott gehen!“ Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?

    S.Heibel: Wissen Sie, da gerate ich so langsam an meine Grenzen. Sowohl die Markttechnik, als auch die Fundamental- und Sentimentanalyse  versagen in diesen Zeiten. Dazu kommt, dass die Situation politisch gerade so undurchsichtig ist. Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass Bush ebenso wie Obama glaubt, das richtige zu tun. Sein Richtig ist nur ein anderes Richtig und deshalb kann es sein, dass er nun gegen Ende noch durchdrückt, was er auf der Agenda hat. Paulson hat 300 Mrd. Dollar aus dem Rettungspaket an Obama gegeben, zur weiteren Verwendung. General Motors, das ist klar, geht es sehr schlecht.

    Wenn man sich die Kurse der ausstehenden Anleihen dieser großen Konzerne anschaut, dann liegen sie derzeit bei einer 30-prozentigen Rückzahlung des Ursprungswertes (aktuell: 90% p.a., s. WKN 908511). Ein guter Indikator sind hier auch immer die Credit Default Swaps.  Und das bei einem ehemals so starken und großen Konzern. Was soll der Staat nun tun? Soll er eingreifen? Wie sehen dann die Bedingungen aus? Soll man sie bankrott gehen lassen? Dann greift Chapter 11 , denn eine vollständige Liquidation ist unwahrscheinlich. Das bedeutet dann eine Reorganisation des Unternehmens unter staatlicher Aufsicht. Im Endeffekt würde dann auch der Staat dem Unternehmen unter die Arme greifen müssen. Wie man es dreht und wendet. Das gute daran ist: es wird dann hoffentlich endlich eine Panik geben!

    C.Janz: Wie bitte? Sie wünschen sich eine Panik an den Märkten?

    S.Heibel: Sicher. Bis jetzt gab es noch keine Panik, alles ist soweit ruhig, eher abwartend. Jeder Ausverkauf, und war er auch noch so heftig, wurde als Chance gesehen. Doch ohne Panik gibt es keinen Boden. Und ohne Boden analysieren wir ewig ohne ein Ergebnis.

    C.Janz: Wenn die Zeit so schwierig ist, was empfehlen Sie derzeit Ihren Lesern?

    S.Heibel: Ich empfehle ihnen abzuwarten und lediglich kurzfristig zu Traden, da ihre mittel- und langfristigen Ziele im Moment nicht erfüllbar sind. Wie ich vorhin schon anmerkte ist einfach keine der klassischen Methoden anwendbar. Nur teure Trendfolgesysteme für seitwärts volatile Bewegungen werden derzeit möglich, aber die sind für den Privatanleger nicht erschwinglich.

    Ich arbeite gerade allerdings an Empfehlungen zum Thema Pairtrading, die sind aber noch nicht spruchreif.

    C.Janz: Was unterscheidet Ihren klassischen Leser von dem klassischen CFD-Trader?

    S.Heibel: Im Gegensatz zu meinen Lesern, die in ihrem Anlagehorizont eher langfristig orientiert sind traden Ihre Kunden. Für die echten Trader sind natürlich gerade in diesen Zeiten, wenn es um den kurzfristigen Handel geht, enorme Chancen auf dem Tisch. Die Tagesvolatilität ist wahnsinnig spannend. Ihre Kunden können gerade viel tun. Ich bilde mich selber gerade mit einem CFD-Konto weiter und konnte schon erste Erfolge erzielen.

    C.Janz: Woher beziehen Sie Ihre Informationen, die Ihnen als Grundlage dienen?

    S.Heibel: Zu 90 Prozent bewege ich mich auf englischsprachigen Seiten. Über die vielen Jahre habe ich einige Autoren schätzen gelernt. Das kann auch in der Form sein, dass ich weiß, wenn Autor A „Hü“ sagt, ich meinen Lesern „Hott“ sage, weil es sich bewährt hat. Wichtig ist, ein Gefühl dafür zu bekommen, was welcher Autor meint, wenn er spricht. „Es ist vorbei“, kann bei drei verschiedenen Autoren auch drei verschiedene Zeithorizonte von Tagen, Monaten oder sogar Jahren bedeuten. Das muss man wissen, wenn man sich auf Aussagen dieser Börsenexperten stützen will. So hat Warren Buffet trotz seines hohen Alters einen sehr langen Anlagehorizont, wenn er nach seinem Einstieg bei Goldman Sachs und General Electric kurzfristig noch Kursrückgänge von bis zu 50% hinnehmen muss. Mein Favorit, aber auch ein sehr exzentrischer und schwieriger Analyst ist der US-Amerikaner Jim Cramer.

    C.Janz: Es gibt ja viele Börsenbriefe auf dem Markt, was macht Ihren so besonders?

    S.Heibel: (lacht) Ich bin natürlich der beste!
    Im Ernst, ich denke ich bin insofern einzigartig, als dass mir wichtig ist, meinen Lesern vor allem Wissen und Verständnis mit auf den Weg zu geben. Grundsätzlich empfiehlt es sich für jeden Anleger, mehrere Informationsquellen zu nutzen. Die neutralen Berichterstattungen in den Printmedien sind insofern keine so große Hilfe, als dass sie sich damit schwer tun, eine Meinung kund zu tun. Ich gebe konkrete Handelsempfehlungen, die ich detailliert begründe.

    So können die Leser den Weg zu der Empfehlung konkret nachvollziehen und eventuell auch sagen, dass sie einen Teil meiner Gedanken nicht teilen und deshalb auch meine Empfehlung nicht annehmen. Meine Leser haben die Möglichkeit, durch meine umfassenden Bewertungen ein Bild über den Tellerrand nur einer Analysemöglichkeit hinaus zu bekommen. Mit diesem Verständnis der Hintergründe können sie sich dann selbstbewusster den Werten widmen. Meine Leser schätzen an mir, dass ich im Sprachdeutsch schreibe. So ist ein umfassender Börsenbrief auch leicht zu lesen.

    Mein oberstes Ziel ist das ich das Verständnis für die Zusammenhänge vermittle. Dazu gehört auch, dass ich in den Dialog trete. Ich beantworte alle Fragen meiner Leser und bekomme dadurch natürlich auch ein Gefühl dafür, was sie genau an Informationen benötigen. Da recherchiere ich auch gern mal einen halben Tag oder mehr, um die Fragen umfassend beantworten zu können.

    C.Janz: Vielen Dank Herr Heibel für das sehr interessante Gespräch!

     

    Das Interview führte Christine Janz

     

    Stephan Heibel über Stephan Heibel:
    Ich wurde 1968 in Köln (linksrheinisch) geboren. In Berlin absolvierte ich 1988 mein Abitur und schnupperte erstmalig als Banklehrling der Deutschen Bank in das Berufsleben. Der Bereich, der mich am meisten faszinierte, war das Börsengeschäft. Ich begann mich mehr für die Hintergründe als für das Tagesgeschäft zu interessieren und fand so den Weg zur trockenen Volkswirtschaftslehre.

    Nun, 1995 habe ich mein Examen gemacht. Ich hatte inzwischen meine Vorliebe für die Wirtschaftsinformatik entdeckt. So tauchte ich ab 1993 in die SAP-Welt ein und fand nach einigen Seminararbeiten, Praktika und meiner Diplomarbeit über SAP dann meine erste Anstellung im Hoechst-Konzern als SAP-Berater.
    Nachdem Hoechst in Deutschland und anschließend auch in Europa an den wichtigen Knotenpunkten SAP installiert hatte, wandte man sich den USA zu. Ich ergriff die Gelegenheit und ging gemeinsam mit einigen anderen Kollegen nach New Jersey zu unserer dortigen Niederlassung.

    Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hatte meine Denke schon ein wenig verändert. So glaubte ich daran, dass ich mich mit einer kleinen Idee und viel Engagement auf mittelfristige Sicht hin selbständig machen könne.

    Ich machte mir mein Interesse an der Börse zunutze und begann darüber zu schreiben. Neben einer Vielzahl von Auftragsarbeiten wie die Erstellung von Unterlagen für den Börsengang von Unternehmen, Businessplänen, Studien, Unternehmensbewertungen usw. schrieb ich auch Börsenberichte für die Öffentlichkeit. Zunächst kleine Artikel für kleine Internetverleger, dann auch regelmäßige Börsenberichte (tägliche, wöchentliche, ...). Auf diesem Wege lernte ich einige New Yorker der Finanzmärkte kennen und durch diese auch einige Tricks und Kniffe. Schließlich arbeitete ich mit einem Düsseldorfer Vermögensverwalter zusammen, der sich zunächst von dem Moloch der oftmals unseriösen Finanzbranche durch Bescheidenheit und gute Erfolge abzuheben schien. Im Frühjahr 2000 ging ich nach Düsseldorf und startete den US-Börsenbrief iWatch für die von uns gegründete Firma ekip.de AG.

    Fünf Jahre lang habe ich den iWatch Woche für Woche geschrieben. Zuletzt versorgte ich wöchentlich 1.400 zahlende Abonnenten und über 65.000 kostenfreie Leser mit Hintergrundinformationen zum Börsengeschehen. Die Meinungen zwischen meinem Düsseldorfer Partner und mir gingen jedoch mehr und mehr auseinander, so dass wir uns im Frühjahr 2005 trennten.

    Das schönste Kompliment machte mir ein Leser mit den Worten: „Herr Heibel, jede Ausgabe Ihres Börsenbriefes erwarte ich so gespannt, wie das Heben des Vorhangs im Theater. Sie beschreiben jedoch nicht nur unterhaltsam die Geschehnisse, sondern nehmen Ihre Leser an die Hand und führen uns hinter die Kulissen, wo Zusammenhänge zum Vorschein kommen, die der normale Zuschauer nicht vermutet.“
    In diesem Sinne habe ich auch meinen neuen Dienst, den „Heibel-Ticker“, aufgebaut. Wenn auch diesmal ohne Partner, so jedoch nicht ohne Hilfe, denn viele meiner Leser, mit denen ich über die Jahre einen persönlichen Kontakt aufbauen durfte, stehen mir zur Seite.

     

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