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Change?

    Sa, 29/11/2008 - 17:50 – M.Protzel

    Welche CFD-Werte an Obamas Wandel glauben können

    Es ist erst wenige Wochen her, dass die Vereinigten Staaten von Amerika Geschichte schrieben. Der 44. Präsident der USA wird zum allerersten Mal ein Mann von dunkler Hautfarbe sein. Die tragische Ära von Präsident Bush wurde mit einem erdrutschartigen Sieg der demokratischen Partei und ihres Kandidaten Barack Hussein Obama jr. hinweggefegt. Das amerikanische Volk hat der Welt gezeigt, dass es seinen alten Geist nicht verloren hat, dass die Bereitschaft zum Wandel, Dinge anders zu machen, aus Fehlern zu lernen, immer noch da ist. Doch kann, wird dieser Wandel kommen? Wird er rechtzeitig kommen? Ist überhaupt noch eine Abwendung von Rezession und Deflation möglich?


    Viele bohrende Fragen, denen sich Obama nach seinem Amtsantritt im Januar 2009 stellen muss. Dank der überwältigenden Mehrheit wird er einer handlungsfähigen Regierung vorstehen, mit dem kollektiven Vertrauen der Bevölkerung ausgestattet und den Hoffnungen der ganzen Welt. Noch ist Obama der strahlende Held – allein die Tatsache seines Wahlsieges konnte die taumelnden Börsenkurse der großen US-Leitindizes zeitweise stabilisieren. Doch wie es aussieht, ist der dynamische Mittvierziger bereits mit Feuereifer dabei, sein Regierungsteam zusammenzustellen, um möglichst viele seiner Versprechungen zu halten. Die Aufgabe ist nicht leicht: die scheidende Bush-Regierung hinterläßt Kriegsschauplätze im Irak und in Afghanistan, eine Bankenkrise von historischem Ausmaß, eine scheintote Autoindustrie und eine frustrierte Bevölkerung.

    Alle für einen
    So ist es nicht verwunderlich, dass Obama die besten der besten aus Amerikas politischer und wirtschaftlicher Elite um sich schart und dabei auch vor mutigen Entscheidungen nicht zurückschreckt. Wer hätte schon gedacht, dass die Erzfeindin aus dem Vorwahlkampf – Hillary Clinton – unter Obama den wichtigen Posten der Außenministerin erhalten würde. Doch die Entscheidung zeigt auch, dass Obama sich nicht scheut kontrovers zu entscheiden, sich vor allem nicht scheut, richtig zu entscheiden. Clinton ist eine energische und streitbare Person mit großem Einfluß und langjähriger politischer Erfahrung. Bei all den weltweiten Turbulenzen brauchen die USA eine durchsetzungsfähige und furchtlose Vertretung im Ausland.

    Als Handelsminister steht Bill Richardson, Gouverneur von New-Mexiko, schon so gut wie fest. Wie viele aus Obamas Umfeld war auch Richardson bereits unter Präsident Bill Clinton aktiv. Damals als UNO-Botschafter und Energieminister.
    Es tut sich was im Weißen Haus...

    Mit Paul Volcker, 81 Jahre alt, findet sich ein wahres Urgestein unter Obamas ökonomischen Beratern. Volcker war einst Vorgänger von Allan Greenspan als Chef der Notenbank Fed und ist international höchst respektiert. Er bekämpfte in den 70er Jahren erfolgreich die Inflation in den USA und gehörte in der Neuzeit zu den ersten Experten, die die drohende Subprimekrise erkannten.

    Über Al Gore war zuletzt wenig zu lesen, doch kursieren Gerüchte, denen zufolge der Vorkämpfer der Klimarettung ein eigens geschaffenes Umweltministerium übernehmen solle. Allerdings handelt es sich dabei noch um ein Gerücht und nicht um eine bequeme Wahrheit.

    Besonderes Augenmerk liegt auf dem Posten des Finanzministers. Auf diesem heißen Stuhl wird zukünftig Timothy Geithner, bisheriger Chef der New Yorker Zentralbank, Platz nehmen. Eng vernetzt mit Persönlichkeiten wie Henry Paulson oder Ben Bernanke, hat Geithner die Finanzkrise quasi aus erster Reihe miterlebt. In der Vergangenheit war er aktiv beteiligt am Rettungsverkauf von Bear Stearns als auch an der Entscheidung, Lehman Brothers nicht zu retten. Der Mann, der fließend chinesisch spricht, schlug letztendlich sogar den schärfsten Mitbewerber, Lawrence Summers aus dem Feld, der unter Bill Clinton Finanzminister war. Summers wird dafür dem National Economic Council vorstehen.

    Geithner wird neben der Bekämpfung der Krise auch die Finanzregulierung- und -aufsicht reformieren müssen und eine zukunftsträchtige Lösung für die Situation der notverstaatlichten  Hypothekenfinanzierer Fanny Mae und Freddie Mac finden müssen. Die Märkte reagierten positiv auf die Ernennung Geithners und die Leitindizes zogen zwischenzeitlich deutlich an, was den allgemeinen Abwärtstrend zumindest teilweise bremste.

    Liebe Deinen Feind
    Für die ergebnisorientierte Planung Obamas steht auch, dass er sich die Möglichkeit einer Kooperation mit den politischen Gegnern aus Reihen der Republikaner anstrebt. Nach einem Treffen Obamas mit dem gescheiterten republikanischen Topkandidaten John McCain verbreiteten beide Lager eine gemeinsame Erklärung. Ein Auszug aus dem Inhalt:

    „In der derzeitigen Situation erwarten die Amerikaner von ihren Führern, dass sie über Parteigrenzen hinweg zusammenkommen und die schlechten Angewohnheiten Washingtons ändern, damit die gemeinsamen dringenden Probleme unserer Zeit gelöst werden können. Es gilt, eine neue Ära der Reform zu beginnen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung wieder herzustellen und Wohlstand und Chancen für jeden hart arbeitenden Amerikaner zurückzubringen.“


    Die Flagge hochhalten...

    Obama hatte bereits kurz nach seinem Wahlsieg verkündet, womöglich auch Posten an republikanische Politiker zu vergeben. Ein Schritt, eben so ungwöhnlich wie sinnvoll. Obama unterstreicht seine Reformwilligkeit dadurch, dass er Kompetenz auch über Parteigrenzen hinweg nutzen will.

    Politische Mondlandung
    Die Grundpfeiler der neuen Agenda stehen bereits fest. Obama will und muss die Abhängigkeit vom Öl verringern, sowie erneuerbare Energien fördern. Er will 5 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen und in den kommenden 10 Jahren gut 150 Mrd. Dollar in Nutzung und Erforschung natürlicher Energien investieren (Nach aktuellem Recht darf er natürlich nur maximal 8 Jahre Präsident sein). Bis 2025 soll Ökostrom 25 Prozent der US-Versorgung, anstelle von aktuell 8 Prozent ausmachen.

    Die Probleme sind so groß, dass deren Bewältigung in den USA immer wieder mit dem Apollo-Programm verglichen wird, dem historischen Wettlauf ins All mit der Sowjetunion. Die nötigen Aufwendungen sind jedenfalls gigantisch.

    Ein Konjunkturpaket in Höhe von rund 300 Mrd. Dollar soll geschnürt werden, vor allem zur Stärkung der Infrastruktur, aber auch zum Aufbau neuer, steuergünstiger Jobs, besserer Arbeitslosenhilfe, sowie für Zuschüsse an überschuldete Haushalte. Bis Ende 2011 sollen 2,5 Mio. Jobs gesichert werden.
    Die Infrastruktur in den USA, vor allem Straßen, Kanalisation und Energienetze wurden teilweise seit 40 – 50 Jahren kaum oder garnicht modernisiert. Obama verspricht: „Wir werden 2 Mio. Arbeitsplätze schaffen, indem wir unsere bröckelnden Straßen, Schulen und Brücken reparieren.“

    Der Finanzmarkt soll durch das 700 Mrd. Euro schwere Rettungspaket wieder stabil werden. Hausbesitzer sollen mehr Geld bekommen als ursprünglich geplant, die Banken dafür weniger. Die Finanzmarktregulierung soll verstärkt und in einer Behörde konzentriert werden. Die Stabilisierung des Bankensystems ist fürs erste Obamas dringendste Aufgabe.

    In der Steuerpolitik soll es zu einer Entlastung der Mittelschicht kommen. Jahreseinkommen unter 200.000 Dollar sollen geringer und Einkommen über 250.000 Dollar stärker besteuert werden.

    Auch in der Sozialpolitik lauern Probleme. Zur Zeit sind gut 47 Mio. US-Bürger ohne Versicherung. Obama will mit staatlichen Beihilfen allen Amerikanern eine Krankenversicherung ermöglichen.

    Die Energiepolitik stand lange am Rande der Gesellschaft, gewann in den letzten zwei Jahren jedoch auch für die verschwenderischen USA schlagartig an Bedeutung. Mit den geplanten 150 Mrd. Dollar Investitionen sollen erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie, als auch Hybrid- und Elektroantriebe gefördert werden. Die USA wollen jetzt zum Klimaschutzvorreiter werden.

    Dazu gilt es, eine sinnvolle Industriepolitik zu betreiben. Dabei stellt die marode Automobilindustrie die größte Herausforderung dar. Staatseinstiege oder Finanzspritzen sind dabei die die gängigsten Optionen. Obama nannte die Autobranche selbst „das Rückgrat der Industrie“ in den USA.

    Viele Baustellen, doch scheint das Projekt Auferstehung USA bei Barack Obama in den richtigen Händen zu liegen. Zumindest setzen Menschen auf aller Welt und besonders in den USA viele Hoffnungen auf den charismatischen Endvierziger. Im folgenden werden wir uns fundamental mit einigen CFD-Werten beschäftigen, die von einem Wandel in den USA und den entsprechenden Regierungsmaßnahmen besonders profitieren würden.

    Schwund ist überall
    Die Citigroup, einst weltgrößter Finanzkonzern, schrumpft immer weiter. Bei einem Kurs von unter  8,00 Dollar war das Unternehmen zuletzt nur noch etwa 40 Mrd. Dollar wert und ist damit nur noch die fünftgrößte US-Bank. Einziger Lösungsansatz der Bank: Kahlschlag.

    Nach bereits 23.000 Stellenstreichungen sollen jetzt nochmals 52.000 Arbeitsplätze wegfallen, was dem Konzern noch gut 300.000 Mitarbeiter lassen würde. In Zukunft sollen pro Quartal nur noch maximal 52 Mrd. Dollar Kosten anfallen, anstelle bisher bis zu 62 Mrd. Dollar. Im vierten Quartal wird noch eine 3 Mrd. Dollar schwere Wertberichtigung im Derivateportfolio erwartet. Dazu werden gut 17,4 Mrd. Dollar aus risikoreichen Vermögenswerten externer Gesellschaften in die Citigroup-Bilanz einfließen. Dabei handelt es sich um sogenannte Special Investment Vehicles (SIV), die einst aus steuerrechtlichen Gründen ausgelagert worden waren. Diese Maßnahme wurde von vielen Banken genutzt, was dazu führte, dass das Ausmaß der Risikogeschäfte lange Zeit im Dunkeln blieb und gehört zu den Gründen für den Ausbruch der Finanzkrise.

    Nach wie vor ein Riesenkonzern, konnte die Citigroup sich zumindest darauf verlassen, zu den ersten Unternehmen zu gehören, denen staatliche Hilfe zuteil werden würde. So kam die Nachricht keinen Augenblick zu früh, dass die Regierung massiv bei der Citigroup eingreifen würde. Die Bank, die im Oktober durch den Verkauf von Vorzugsaktien 50 Mrd. Dollar einnahm, erhält eine neue Kapitalspritze über 20 Mrd. Dollar. Dazu kommen staatliche Bürgschaften über 306 Mrd. Dollar.

    Als Gegenleistung wird die Citigroup dividendenberechtigte Vorzugsaktien  im Wert von ca. 7 Mrd. Dollar an die Regierung abtreten. Die Bank muss Verluste von bis zu 29 Mrd. Dollar selbst tragen, alles darüber soll zu 90 Prozent vom Statt abgedeckt werden. Nachdem die Citigroup-Aktie schon auf 3,97 Dollar gefallen war, erholte sich der Wert aufgrund der Rettungsmaßnahmen inzwischen wieder auf 6,21 Dollar.

    Die Bank of America (CFD-Kürzel: BAC), die als eine der gefestigteren US-Banken gilt, konnte die andauernde Talfahrt ihrer Aktien zuletzt abbremsen und stieg von 10,03 Dollar wieder auf zuletzt 14,39 Dollar.
    Anfang November sorgte das Institut mit seiner Warnung vor einem Finanzkollaps für Aufregung. Laut dem Bank of America-Chef Kenneth Lewis stehe die Branche vor den höchsten Verlusten im Kreditkartengeschäft aller Zeiten. Experten zufolge liegen die Kreditkartenschulden in den USA aufgrund Zahlungsunfähigkeit etlicher Kunden schon bei 1.000 Mrd. Dollar.

    Als drittgrößter Kreditkartenanbieter stünde BAC damit vor massiven Gewinneinbrüchen. Immerhin gelang es mit einer Aufwendung von etwa 50 Mrd. Dollar die kürzlich übernommene Merrill Lynch zu stabilisieren. Die Bank of America besorgte sich bisher gut 20 Mrd. Dollar über Investoren und soll gut 25 Mrd. Dollar aus dem US-Rettungspaket erhalten haben.

    Autobranche am Ende?
    Ende November nahmen der Bankenausschuss des Senats und der Finanzausschuss des Repräsentantenhauses der USA die Automobilhersteller ins Kreuzverhör. Die Geschäftsführer der großen Autokonzerne General Motors (CFD-Kürzel: GM), Ford (CFD-Kürzel: F) und Chrysler saßen regelrecht im Anklagestuhl und mussten sich den unbequemen Fragen der Gremien stellen. Im akuten Überlebenskampf bleibt den Chefs der „Big Three“ keine andere Wahl, als kleinlaut die aussichtslose Lage einzugestehen. Ford-Chef Mulally malte ein besonders düsteres Bild: „Wenn von uns einer pleitegeht, droht der gesamten Industrie der Zusammenbruch.“


    Das Ende naht...

    Doch die regierenden Republikaner bleiben hart. Der Rettungsplan ist „nicht der amerikanische Weg“. Die Märkte sollen sich in fairem Wettbewerb selbst reparieren. Es könnte also tatsächlich soweit kommen, dass die Detroiter Automobilriesen, die Dinosaurier des Automarktes, aussterben.

    Der Finanzbedarf von GM liegt akut bei etwa 10 – 12 Mrd. Dollar, Ford und Chrysler bräuchten unmittelbar je 7 Mrd. Dollar. Zwar hat Noch-Präsident George W. Bush angeboten, die 25 Mrd. Dollar Fördermittel zur Entwicklung neuer Antriebe zur Rettung der Konzerne freizugeben. Doch wäre diese Summe allein nicht genug, die Konzerne aufzufangen.

    Die Konzernführungen, allen voran GM´s Rick Wagoner, suchen die Schuld nach wie vor nicht bei sich selbst, sondern bei der Finanzkrise. Dabei zeigte erst kürzlich die Automesse in L.A. Die tatsächlichen Marktverhältnisse auf: Im Verhältnis interessierte sich kaum ein Besucher für die Stände der US-Konzerne, die aus Kostengründen auch noch auf wirkungsvolle Beleuchtung und technischen Schnickschnack verzichtet hatten. Die weltweite Konkurrenz sonnte sich derweil im Scheinwerferlicht. Die ausländische Konkurrenz arbeitet durchweg effizienter, konzentriert auf wenige Marken und läuft den Amerikanern mit ihren Werken im Südosten der USA verstärkt den Rang ab.

    So besitzt Toyota beispielsweise schon einen Marktanteil von 20 Prozent in den USA und führt dort 1.500 Filialen. General Motors erreicht seine 20 Prozent Marktanteil mit einem Netz von 7.000 (!) Filialen. Die Detroiter Hausmesse der US-Hersteller im Januar, droht endgültig zum Offenbarungseid der Big Three zu werden.

    Öko-Nation USA
    Nicht länger sollen die Vereinigten Staaten die Dreckschleuder des Planeten bleiben, unter Obama gewinnen erneuerbare Energien an Bedeutung. Der US-Kongreß verlängerte beispielsweise bereits die Förderung der Windenergie um ein weiteres Jahr. Unter Führung der Demokraten könnte daraus eine längerfristige Subventionierung werden, was Investoren mehr Sicherheit bieten würde.

    Für die Windsparte des Megakonzerns General Electric (CFD-Kürzel: GE) dürfte das gewaltigen Auftrieb bedeuten, doch auch ausländische Konzerne sind in der Branche in den USA stark engagiert.
    Dabei ist besonders die deutsche Nordex AG (CFD-Kürzel: NDX) eine genauere Betrachtung wert. Der Windkraftkonzern steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal 2008 um 85 Prozent auf 315,2 Mio. Euro und erwirtschaftet sage und schreibe 95 Prozent seines gesamten Umsatzes im Ausland. Das EBIT stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um großartige 163 Prozent auf 21 Mio. Euro. Der Auftragseingang sank im Jahresverlauf bis Ende September auf 796 Mio. Euro, im Vorjahr war der Stand zu diesem Zeitpunkt bei 823 Mio. Euro. Dafür konnte der feste Auftragsbestand um 74 Prozent auf einen Wert von 3,3 Mrd. Euro gesteigert werden. Für das laufende Geschäftsjahr wird unverändert ein Umsatz von 1,1 Mrd. Euro erwartet. Die Aktie notierte zuletzt bei 8,51 Euro.


    Der Wind des Wandels...

    Für Nordex sind die USA bereits der Wachstumsmarkt schlechthin. Momentan baut das Unternehmen ein neues Werk zur Herstellung von Maschinenhäusern und Rotorblättern in Jonesboro, Arkansas auf. Dort sollen bald 700 Mitarbeiter pro Jahr gut 750 Megawatt an zusammengerechneter Anlagenleistung produzieren. Die Fabrik soll gut 100 Mio. Dollar kosten. Der Fokus liegt dabei auf den Großturbinen N90 und N100, die eine Leistung von 2,5 Megawatt erbringen und zu den größten seriengefertigten Turbinen der Welt gehören. Durchschnittliche US-Anlagen erreichen bisher einen Wert von ca. 1,7 Megawatt.

    Nordex-Vorstandschef Thomas Richterich zu diesem Thema:“Das neue Werk in Jonesboro ist ein zentraler Schritt in unserer internationalen Strategie. Mit dem Aufbau eigenen Fertigung können wir die USA, einen der am schnellsten wachsenden Windenergiemärkte bedienen und schaffen die Basis für unser Ziel, 20 Prozent unseres Umsatzes in den USA zu generieren.“

    Auch in Sachen Solarenergie will die Regierung unter Obama neue Zeichen setzen. Gerade stellten Ingenieure der New Yorker Columbia University ein Modell vor, nach dem bis 2050 gut 70 Prozent des US-Strombedarfs durch Solarenergie gedeckt werden könnten. Um das entsprechende Stromnetz aufzubauen, wären in den nächsten 40 Jahren Investitionen von gut 400 Mrd. Dollar nötig. Dafür könnten rund 600 Kohle- oder Gaswerke abgeschaltet werden.

    Schon vor der US-Wahl wurden die Steuervergünstigungen für Solarenergie um 8 Jahre verlängert. In Kalifornien soll Solarstrom schon 2011 in der Herstellung nicht mehr teurer sein als herkömmliche Energien. Spätestens dann dürften die Stromanbieter kollektiv auf diese Linie einschwenken.
    Neben Solarworld (CFD-Kürzel: SWVG) gilt auch der deutsche Solarkonzern Q-Cells (QCE) als einflußreicher Spieler auf dem US-Markt.

    Trotz globaler Krise erzielte das Unternehmen im Jahresverlauf Rekordzahlen. Seit Januar 2008 wurde der Umsatz um 61 Prozent auf 931,8 Mio. Euro gesteigert. Q-Cells ist inzwischen der weltgrößte Photovoltaikproduzent.

    Die Prognose für 2008 wurde jetzt leicht nach oben korrigiert, es wird jetzt ein Umsatz von 1,35 Mrd. Euro bei einem Überschuss von 215 Mio. Euro erwartet. Für 2009 rechnet Q-Cells mit einem Umsatz von 2,25 Mrd. Euro und will das Produktionsvolumen bis 2010 um jährlich 70 Prozent ausbauen.

    Die Q-Cells-Aktie ist seit Ende September von 64,40 Euro auf zuletzt 22,14 Euro gefallen. Doch geben die Geschäftszahlen Grund zum Optimismus. Und wenn die USA tatsächlich das Staatssäckel weit aufmachen, um Vorreiter in der Solartechnik zu werden, wird das deutsche Unternehmen ganz vorne mit dabei sein.

    Schreckgespenst Deflation
    Während der Endspurt des Wahlkampfes im Oktober in vollem Gange war, fielen die US-Verbraucherpreise so stark wie seit 1947 nicht mehr. Das Preisniveau sank gegenüber September um 1 Prozent, die Zahl der Baugenehmigungen ging um 12 Prozent zurück, was ein einsamer, trauriger Rekord ist.

    Die krasse Entwicklung mag einer Abwartungshaltung der US-Bevölkerung in der Endphase des äußerst emotional geführten Wahlkampfes geschuldet sein, doch hält sich hartnäckig die Angst, dass die Rezession sich zu einer ausgewachsenen Deflation mausert und viele düstere Jahre nach sich zieht. Die US-Notenbank erwartet zumindest mehrere Quartale schrumpfender Wirtschaft und will die Leitzinsen im Dezember von 1 Prozent auf 0,5 Prozent senken.


    Die Obamanie treibt seltsame Blüten...

    Experten sehen den Preisabfall in den USA jedoch vor allem mit dem Einbruch der Ölpreise verbunden. US-Verbraucher zahlten für Strom im Oktober 8,6 Prozent weniger, für Benzin sogar 14 Prozent weniger. Allerdings fielen die Verbraucherpreise auch ohne Berücksichtigung von Energie und Benzin um 0,1 Prozent.
    Der schwindende Konsum der Amerikaner könnte schon bald einen Preiskampf der Einzelhändler nach sich ziehen. In deren Reihen gibt es einige Werte, die von Obamas Plänen von einer starken Mittelschicht profitieren würden, und einen, der offensichtlich sogar ohne Change stark ist.

    Die Spreu und der Weizen
    Wandel auch bei Amerikas größtem Einzelhändler Wal-Mart (CFD-Kürzel: WMT). Rechtzeitig zum Wechsel im Weißen Haus tauscht auch der Supermarktbetreiber den Geschäftsführer aus. Am 1. Februar 2009 wird Lee Scott seinen Posten nach neun Jahren an der Spitze aufgeben und in den Verwaltungsrat übertreten. Sein Nachfolger wird Mike Duke, der zuvor als Manager in der Sparte Logistik und im Einkauf seinen Weg gemacht hatte.

    Wal-Mart erweist sich bisher als echter Krisenprofiteur, dank einer breiten Discount-Palette. Das Unternehmen ist der einzige große Supermarktkonzern mit einer deutlichen Ertragssteigerung im dritten Quartal 2008. Die Erträge stiegen um 10 Prozent auf 3,14 Mrd. Dollar, gleichzeitig erhöhte sich der Umsatz um 7,5 Prozent auf 97,6 Mrd. Dollar. In Krisenzeiten wie diesen sparen die Menschen zwar immer mehr, doch irgend etwas essen müssen sie immer, auch ohne Kleidung und andere Produkte wie Reinigungsmittel oder Pflegeartikel kommt niemand ganz aus. Wal-Mart deckt all diese Ansprüche zu günstigen Kosten ab, was den enormen Kundenzustrom bei einem ohnehin erfolgreichen Anbieter erklärt. Hierzulande wäre Aldi am ehesten mit der Rolle zu vergleichen, die Wal-Mart in den USA derzeit mehr denn je zukommt.

    Im Weihnachtsgeschäft dürfte es sogar zu weiteren Zuwächsen kommen, da viele Konsumenten kein Geld mehr für ausgefallene, teure Geschenke haben werden. So könnte Wal-Mart auch mit seinen zahlreichen günstigen Angeboten der Unterhaltungselektronik wie DVD-Playern oder  Soundsystemen großen Erfolg haben. Die Aktie entwickelte sich zuletzt gut und stieg seit Mitte November von 50,87 Dollar auf zuletzt 54,67 Dollar.
    Allerdings ist Wal-Mart unter den Einzelhändlern der einzige, dem es noch wirklich gut geht.

    Beim Konkurrenten Lowe´s Companies (CFD-Kürzel: LOW) sieht es weniger rosig aus, auch wenn der Gewinnrückgang im dritten Quartal geringer ausfiel, als ursprünglich befürchtet. Der Quartalsgewinn betrug 488 Mio. Dollar gegenüber 643 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum, was einem Gewinn pro Aktie von 33 Cent gleichkommt. Analysten hatten mit etwa 28 Cent pro Aktie gerechnet. Der Umsatz ging von 11,73 Mrd. Dollar auf 11,57 Mrd. Dollar zurück.

    Der Kursverlauf von Lowe´s in den letzten Monaten ist von starken Ausschlägen gezeichnet. Seit Oktober pendelt die Aktie zwischen 16,00 Dollar und 22,00 Dollar hin und her. Seit dem 21. November stieg sie jedoch steil von 15,94 Dollar auf inzwischen 20,46 Dollar an. Offenbar hatten auch zahlreiche Anleger mit schlechteren Zahlen gerechnet und geben der Aktie jetzt eine neue Chance.

    Schwere Zeiten bahnen sich auch für Baumarktbetreiber wie Home Depot (CFD-Kürzel: HD) an. Die weltgrößte Baumarktkette nahm im dritten Quartal einen Gewinneinbruch um 30 Prozent hin und verdiente noch 756 Mio. Dollar netto, gegenüber 1,1 Mrd. Dollar im Vorjahr. Der Umsatz sank um 6 Prozent auf 17,8 Mrd. Dollar. Der Gewinn pro Aktie lag immerhin noch bei 45 Cent – die Experten hatten nur 39 Cent erwartet.

    Home Depot hofft ganz besonders auf einen Wandel zum Guten, da sie von der Immobilienkrise unmittelbar betroffen sind. Denn wer sich kein Haus leisten kann, wird auch kaum für die Anschaffung einer neuen Küche oder den Ausbau eines Partykellers zu begeistern sein.

    Das Unternehmen reagiert mit der Schließung von 15 Filialen. 50 Neueröffnungen wurden gestrichen. Momentan betreibt Home Depot ca. 2.250 Filialen und beschäftigt 300.000 Angestellte. Ähnlich wie bei Lowe´s Companies lief auch der Home-Depot-Kurs im Jahresverlauf recht volatil. Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Krise im September und Oktober hatten viele Anleger den Wert anscheinend schon abgeschrieben, die Aktie fiel zwischen 8. September und 27. Oktober von 30,14 Dollar auf 18,47 Dollar. Gut möglich, dass der Obama-Faktor auch für Home-Depot neue Fantasien mit sich gebracht hat, denn zuletzt zog der Kurs wieder auf 22,24 Dollar an. Gelingt es der neuen Regierung im kommenden Jahr, den bankrotten Hausbesitzern zu helfen und auch vielen obdachlos gewordenen Amerikanern wieder ein Dach über dem Kopf zu verschaffen, werden die Konsumenten den Baumärkten vielleicht schon bald wieder die Türen einrennen.

    Built by Germany
    Handwerkskunst made in Germany ist in den USA höchst gefragt und so wird deutsches Know-How auch gerne angenommen werden, wenn Obamas weitreichende Infrastrukturpläne umgesetzt werden sollen. Für den deutschen Baukonzern Hochtief (CFD-Kürzel: HOT) könnte die Wahl Obamas langfristig einem Sechser im Lotto gleichkommen. In Hamburg streitet sich das Unternehmen gerade mit dem Senat um die ungebremst in die Höhe schießenden Kosten für das umstrittene Projekt Elbphilharmonie. In den USA ist es dagegen gern gesehener Gast.

    Vor allem die US-Tochter Turner hat Chancen auf zusätzliche Aufträge. Bereits jetzt baut Turner in Virginia für 150 Mio. Dollar ein Bereitschaftszentrum für die Nationalgarde inklusive Stromversorgung und Kommunikationsnetz. Turner, der führende Hochbauspezialist in den USA, hat auch den Auftrag erhalten, den neuen World Trade Center Turm auf Ground Zero zu errichten.

    Eine weitere US-Tochter hat sich Hochtief mit der Ende 2007 übernommenen Flatiron geschaffen. Der Infrastrukturspezialist verbuchte, genau wie Turner, einen starken Auftragseingang in 2008.

    Hochtief ist inzwischen ein großer internationaler Player. Nur noch 10 Prozent des Auftragseinganges von 19 Mrd. Euro wurden in Deutschland generiert. Durch seine globale Präsenz ist das Bauunternehmen hervorragend gegen die Krise gewappnet. Wenn jetzt noch andere Staaten dem Beispiel der USA folgen und ihre Infrastruktur ausbauen, um die Konjunktur wieder in Gang zu bringen, wird Hochtief bereitstehen. Aktuell hat das Unternehmen noch Aufträge aus Abu Dhabi, Hong Kong und Thailand in der Pipeline.

    Die Aussichten für die Baubranche werden wieder besser und Hochtief hat sich eine blendende Ausgangssituation verschafft. So begann auch der Aktienkurs zuletzt, sich wieder vorsichtig nach oben zu orientieren und stieg Ende November auf 26,83 Euro.

    Fazit:
    Ein altes indianisches Sprichwort lautet: „Jedes Unglück hält auch ein Geschenk in der Hand.“ Barack Obama kann dieses Geschenk sein – ein Mann, dessen Wahl gewiss durch die größte Finanzkrise seit den 30er Jahren beeinflusst wurde. Doch manchmal braucht es extreme Situationen, um das richtige zu tun. Nicht nur die Menge an Stimmen für Obama, sondern auch die enorme Wahlbeteiligung der US-Bevölkerung sprechen für die Hoffnungen der Amerikaner auf einen Wandel nach acht teils haarsträubenden Jahren der Bush-Administration.

    Obama scheint alles zu haben, was ein Heilsbringer braucht: Er vereint Charisma und Kompetenz in einer Person, wobei allein die Tatsache, dass Obama von dunkler Hautfarbe ist, auch für eine Entwicklung hin zu mehr Toleranz in der amerikanischen Gesellschaft steht. Rassistisch angehauchte Politiker wie Italiens zwielichtiger Berlusconi, der mehrmals abfällige Bemerkungen über Obamas „gebräunten“ Teint fallen ließ, werden sich damit abfinden müssen, dass die Welt weiter zusammenwächst und alte Vorurteile sterben.

    Noch schwelgen wir in Fantasie, doch müssen wir auch bedenken, dass Lobbyisten, politische Gegner und unabsehbare außen- und innenpolitische Konflikte eine permanente Bedrohung für Obamas Absichten darstellen. Auch unter ihm wird nicht von heute auf morgen Milch und Honig fließen, sondern noch viel Monate der Entbehrungen folgen.

    Im Hanseatic Brokerhouse sorgte das Wahlergebnis jedenfalls durchgehend für gute Laune. Wir sehen exzellente Perspektiven für die Weltwirtschaft und glänzende Handelsmöglichkeiten für CFD-Trader im kommenden Jahr. Da Fantasie die Börse stärker treibt als Fakten, haben auch jetzt – vor der Amtseinführung Obamas – etliche Werte Chancen auf Zuwächse. Einige davon haben wir Ihnen in dieser Ausgabe vorgestellt. Wir werden den Weg Obamas im kommenden Jahr weiter beobachten und Sie über alle Chancen auf dem laufenden halten.

    In diesem Sinne wünsche auch ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, in dem sich die Vorfreude auf bessere Zeiten unter den Geruch von Zimt und Pfefferkuchen mischt. Endlich naht der Wandel an den wir glauben können!

    Matthias Protzel

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