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Wege aus der Griechen-Krise

    Mo, 04/07/2011 - 16:11 – H.Theis

    Fünf wirklich gute Gründe warum Deutschland Griechenland mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aus der Krise helfen sollte:

    1. Geopolitische Umbrüche in der Welt erfordern ein starkes Europa.
    Die Welt befindet sich in einer Phase gewaltiger geopolitischer Umbrüche. Seit dem Ende des kalten Krieges ordnen sich die globalen wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnisse neu. Bereits heute ist klar, dass die USA ihre alles dominierende Rolle verlieren werden, während andere große Nationen  wie China, Russland, Indien oder Brasilien an zusätzlichem Einfluss gewinnen werden.

    Etwas weniger klar ist die Rolle Europas in diesem Zusammenhang. Denn obwohl einzelne Länder wie Frankreich, England oder Deutschland sicherlich ebenfalls an internationalem Gewicht verlieren werden, so besteht für sie doch die Chance im Rahmen eines neuen, geeinten Europas gestärkt aus diesem Prozess hervorzugehen.

    Allerdings müssen wir Europäer hierfür unter Beweis stellen, dass wir stark und selbstbewusst füreinander eintreten und unter allen Umständen zusammenhalten. Denn wenn selbst wir nicht an den Zusammenhalt und die Stärke Europas glauben, wird es der Rest der Welt wohl auch nicht tun. Die Krise in Griechenland ist eine Chance, der Welt genau diese Stärke eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Bislang fehlt jedoch das klare politische Signal an die Welt, dass Europa Griechenland mit allen Mitteln aus der Krise führen wird, koste es was es wolle.

    2. Der Exportweltmeister Deutschland braucht den Euro.
    Der Aufstieg der USA zur Weltmacht war in erster Linie darauf begründet, dass der US-Dollar zur Reservewährung der Welt wurde. Die daraus resultierende Stärke des US-Dollars ermöglichte den USA ihren Wohlstand, indem sie günstig Waren aus aller Welt importieren konnten. Gleichzeitig entwickelte sich jedoch auch die Schattenseite des starken US-Dollars. Er begünstigte nicht nur Importe, sondern erschwerte gleichzeitig auch Exporte, so dass die amerikanische Exportwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten fast vollständig zum Erliegen kam. 

    Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig insbesondere für Deutschland die richtige Balance im Euro ist. Würden wir in Deutschland vor dem Hintergrund unserer aktuellen wirtschaftlichen Stärke wieder eine eigene Währung einführen, wäre diese vermutlich deutlich stärker als der aktuelle Euro. Dies würde jedoch insbesondere der deutschen Exportwirtschaft schaden. Deutsche Exportgüter würden durch eine starke Währung im Ausland so teuer, dass die Nachfrage sinken würde.

    Vereinfacht dargestellt führt die Krise in Griechenland dazu, dass der Euro im Verhältnis zu anderen Währungen nicht zu stark wird und Deutschland so weiterhin günstig Maschinen und Autos in die ganze Welt verkaufen kann. Unsere derzeitige wirtschaftliche Stärke ist also nicht alleine ein Verdienst von Deutschland, sondern auch das Ergebnis eines sensiblen Gleichgewichtes innerhalb der Eurozone, das es aus deutscher Sicht mit allen Mitteln zu schützen gilt.

    3. Deutschland kann umittelbar von Krediten an Griechenland profitieren.
    Egal welches der vielen Modelle zur Rettung Griechenlands man zugrunde legt, so kommt keines dieser Modelle ohne zusätzliches Geld aus. Auch nach einer Insolvenz oder einem klaren Schuldenschnitt benötigt Griechenland frisches Kapital, um das Land zu erneuern. Kurz gesagt, in jedem Fall muss jemand die dringend erforderliche Umstrukturierung Griechenlands zu fairen Konditionen vorfinanzieren.

    Gelingt diese Umstrukturierung mit Hilfe der starken und erfahrenen europäischen Partner in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, so wäre das für einen Kreditgeber wie Deutschland ein großartiges Geschäft. Denn auch Deutschland bringt dieses Geld nicht selber auf, sondern leiht es sich am Kapitalmarkt. Aufgrund seiner ausgezeichneten Bonität kann sich Deutschland jedoch derzeit deutlich günstiger Geld beschaffen als andere europäische Länder.


    Vom Wind zerzaust, doch sie weht immer noch stolz: Die Griechische Nationalflagge...

    Deutschland würde sich das Geld also beispielsweise gegen drei Prozent Zinsen am Kapitalmarkt beschaffen und zu sechs Prozent Zinsen an Griechenland weitergeben. So ergibt sich aus der Zinsdifferenz bei diesem Kreditvolumen ein gewaltiger Ertrag für den Bundeshaushalt. Hierfür muss Deutschland lediglich sein politisches Gewicht in Europa einsetzen, um dafür zu sorgen, dass Griechenland von seinen europäischen Partnern unter keinen Umständen fallen gelassen, sondern sicher durch die Krise geführt wird.

    4. Unsere eigene Geschichte belegt, wie letztlich alle profitieren werden.
    Die Deutsche Geschichte beginnt leider nicht erst mit dem Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre. In den Jahrzehnten davor gingen von Deutschland zwei Weltkriege aus, die weite Teile Europas in Schutt und Asche legten. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges sah Deutschland sich daher mit einem gewaltigen Schuldenberg konfrontiert, der jegliches Wachstum im Keim zu ersticken drohte.

    Im  Jahre 1953 kam es daher beim sogenannten „Londoner Schuldenabkommen“ zu einem Schuldenschnitt, bei dem Deutschland ein großer Teil seiner Schulden erlassen wurde. Mehr als 70 Staaten, die Forderungen gegen Deutschland hatten, haben Deutschland an diesem Tag mehr als 50 Prozent seiner Schulden erlassen und somit einen wichtigen Grundstein für das deutsche Wirtschaftswunder gelegt. Einer der Staaten, die damals auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichtet haben war Griechenland.

    Unsere eigene Geschichte zeigt also, wie sehr es sich auszahlen kann, wenn man einem internationalen Partner hilft eine Krise zu überwinden. Nach dem zweiten Weltkrieg haben der Marshallplan und das Londoner Schuldenabkommen die Grundlage gebildet, die für einen wirtschaftlichen Aufschwung nötig war. Für unsere Freunde von damals ist Deutschland bis heute ein verlässlicher wirtschaftlicher und politischer Partner.

    5. Es ist ein gutes Gefühl einem Freund zu helfen.
    Die aktuelle Diskussion in Bezug auf die Hilfen für Griechenland wird politisch in erster Linie von Technokraten geführt. Dabei geht es im Wesentlichen um die Frage, welcher finanzielle Vor- oder Nachteil sich aus den verschiedenen Szenarien ergibt. Die soziale Komponente und damit das Verhältnis der Menschen in Europa zueinander, überlässt die Politik hingegen weitestgehend dem Boulevard.

    Dabei ist inzwischen sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass wir Menschen gerade auch auf zwischenmenschliche Beziehungen besonderen Wert legen. Wie sonst würde sich auch der aktuelle Erfolg von sozialen Netzwerken im Internet erklären. Wir teilen unser persönliches Glück gerne mit anderen Menschen und legen aufgrund unserer kulturellen Prägung großen Wert auf einen fairen Umgang miteinander. Selbst dann, wenn wir daraus keinen direkten wirtschaftlichen Nutzen ziehen.

    Wir finanzieren durch unsere Steuern ein großzügiges Sozialsystem, leisten Entwicklungshilfe und spenden für wohltätige Organisationen. Wir halten fremden Menschen die Tür auf oder helfen Freunden beim Umzug. Wir helfen wo wir können und haben ein gutes Gefühl dabei. Wir sind stolz darauf in der Position zu sein, anderen helfen zu können. Es bereitet uns Freude.

    Hendrik Theis

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