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Auferstehung?

    Mo, 11/07/2011 - 15:52 – M.Protzel

    Die US-Automobilhersteller und ihre schwere Fahrt aus der Krise
    Den großen europäischen Automobilherstellern ist es bereits weitestgehend gelungen, die Finanzkrise der letzten Jahre hinter sich zu lassen. Vor allem Volkswagen erhöht das Tempo immer mehr und greift sogar schon nach der Krone der Zunft. Wir wollen uns diesmal jedoch mit den Konzernen beschäftigen, denen die Krise so hart zugesetzt hat, dass sie um ein Haar in der Schrottpresse der Geschichte verschwunden wären. Das betrifft vor allem die beiden US-amerikanischen Autoriesen.

    Droht immer noch der Absturz oder kämpfen sich Ford und General Motors wieder in die Gewinnzone? Auf den folgenden Seiten verschaffen wir uns einen Überblick und prüfen, ob diese Unternehmen wieder ihren Platz in einem erfolgreichen CFD-Portfolio finden könnten.

    Benzinfresser sterben aus
    Der Automobilmarkt in den USA folgte viele Jahrzehnte den gleichen Gesetzmäßigkeiten: Sperrige Nutzfahrzeuge wie Geländewagen und Pickups, sowie mächtige Straßenkreuzer mit unermesslichem Benzindurst dominierten die Freeways. Kleinwagen nach europäischem oder asiatischem Muster waren nicht allzu beliebt. Noch vor wenigen Jahren sorgte Daimlers Stadtflitzer Smart auf einer Werbetour in den USA für offene Münder und unverhohlenes Staunen.

    Doch steigende Benzinpreise und der Anbruch der Hypothekenkrise nahmen den Amerikanern innerhalb kürzester Zeit die Lust an den Benzinfressern und weckten das Interesse an kleineren, sparsamen Fahrzeugen und Elektromotoren. Wie immer, wenn in den USA ein Umdenken stattfindet, vollzog sich auch dieser Wechsel mit atemberaubender Geschwindigkeit. Straßenmonster wie der mächtige Hummer wurden quasi von einem Tag zum anderen zu Ladenhütern.


    Sind die traditionellen Strassenkreuzer, Muscle Cars und Pickups am Ende?

    Die großen US-Hersteller waren auf diesen Umschwung jedoch nicht vorbereitet. Die traditionellen Geschäfte schienen so sicher, dass der Markt für kleinere PKWs und Kompaktwagen der Konkurrenz aus dem Ausland überlassen wurde. Diese aus heutiger Sicht arrogante Haltung ebnete Konzernen wie Volkswagen oder Toyota den Weg zu Spitzenpositionen am wichtigen US-Automarkt.

    Die US-Konzerne mussten dagegen um das nackte Überleben kämpfen. Viele traditionsreiche Automarken blieben dabei auf der Strecke, zehntausende verloren ihre Jobs. Inzwischen scheint das schlimmste überstanden, doch die globale Hackordnung hat sich gewandelt und es bleibt abzuwarten, ob die amerikanischen Firmen jemals wieder die gleiche Bedeutung erlangen werden wie vor der Krise.

    Ford Motor Company
    Kaum zu glauben, doch es ist bereits über hundert Jahre her, dass die Fließbandfertigung von Automobilen in den USA ihren Anfang nahm. In den Werken des Visionärs Henry Ford entstand das legendäre "Modell T", welches bis ins Jahr 1972 rund 15 Millionen Mal vom Band lief. Diese Zahl konnte erst durch Volkswagens Käfer übertroffen werden.

    Durch Übernahmen ausländischer Marken wurde die Premier Automotive Group geformt, unter deren Dach sich Hersteller wie Jaguar, Volvo oder Land Rover wiederfanden. Viele dieser Marken, welche nie profitabel genug arbeiteten gerieten in der Krise unter die Räder. Das Geschäftsjahr 2006 hatte Ford mit einem katastrophalen Verlust von 12,7 Milliarden Dollar beendet.

    So mussten im Jahr 2008 beispielsweise Jaguar und Land Rover für etwa 2,3 Milliarden Dollar an den aufstrebenden indischen Hersteller Tata Motors verkauft werden. Bei Volvo kam es zu massiven Umstrukturierungen. Um dringend benötigte Staatshilfen zu erhalten, unterwarfen sich die Ford-Manager im selben Jahr einem Seelenstriptease vor dem US-Kongress. Während der Anhörungen hing die Zukunft des gesamten Unternehmens mehrmals am seidenen Faden und es mag an der Sturheit des Ford-Chefs Alan Mulally gelegen haben, der einen Bankrott schlichtweg nicht akzeptieren wollte, dass der Konzern überleben konnte.


    Die Bilderbuchtage des US-amerikanischen Automobils liegen vorerst hinter uns...

    Zurück in die Gegenwart: Es ist jetzt erst wenige Tage her, dass Mr. Mulally durch ein Komitee des Wirtschaftsmagazins Chief Executive Magazine als "Erfolgreichster CEO des Jahres 2011" ausgezeichnet wurde. Dabei wurde er als Retter der Ford Motor Company aus der schlimmsten Krise ihrer Geschichte gewürdigt.

    2010 hatte Ford den Umsatz wieder auf 128,95 Milliarden Dollar gegenüber 116,28 Milliarden im Vorjahr steigern können. Mit einem Nettogewinn von 6,56 Milliarden Dollar nach 2,72 Milliarden in 2009 kann das Unternehmen wieder wachsende Profitabilität vorweisen. Vor allem der Verkauf von kleineren Modellen wie Ford Figo oder Mondeo kurbelten den Umsatz an. Der asiatische Markt trug dabei schon fast so viel bei wie die amerikanischen Märkte und Europa zusammen.

    Auch im ersten Quartal 2011 konnte Ford trotz der Japan-Katastrophe weiter zulegen und erzielte einen Nettogewinn von rund 2,55 Milliarden Dollar nach nur 466 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.
    Der Ford-Konzern will jetzt weiter Schwung holen und mit neuen Strategien weiter an der Rückkehr an die Weltspitze feilen. Dabei ist es wenig hilfreich, dass ein US-Gericht jetzt der Klage diverser Ford-Händler wegen Wortbruchs nach Preisverhandlungen nachgab und den Autokonzern zu einer Strafe von 2 Milliarden Dollar verurteilte. Ford will das Urteil anfechten, so dass eine endgültige Entscheidung noch aussteht.

    Unbeirrt davon baut Ford seine globalen Geschäfte weiter aus. Vor allem Asien befindet sich im Visier der Planer. So wird aktuell ein neues Werk für 500 Millionen Dollar im chinesischen Chongqing gebaut, welches 2013 den Betrieb aufnehmen soll. Dort sollen dann jährlich rund 750.000 Fahrzeuge vom Band rollen.

    Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Nachfrage in Asien rechnet Ford bis 2015 mit einer globalen Absatzsteigerung von gut 50 Prozent. Von dann etwa acht Millionen Fahrzeugen sollen rund ein Drittel in China oder Indien gebaut werden. Auch die Anzahl der Ford-Filialen in diesen Ländern soll bis 2016 auf 340 Standorte in Indien und 680 in China ausgebaut werden.

    Neben der Kernmarke Ford gehören noch die Marken Lincoln und Mercury zum Konzern. Ford will jetzt rund eine Milliarde Dollar investieren, um Lincoln wieder wettbewerbsfähig zu machen. Der Absatz der bereits mehrfach für todgeweiht erklärten Marke wird in diesem Jahr vermutlich auf nur noch 78.000 Fahrzeuge sinken. Doch die Einführung neuer und die Modernisierung älterer Modelle sollen den Verkauf bis 2015 wieder auf 162.000 Einheiten ankurbeln.


    Modell T - Der ultimative Pionier der industriellen Automobilfertigung...

    Auch in Deutschland, wo die Wirtschaft bereits wieder kräftig Fahrt aufnimmt, können tausende Ford-Mitarbeiter aufatmen. Standen in den vergangenen Jahren noch Werksschließungen im Raum, hat sich Ford jetzt klar zum Standort Deutschland bekannt. So sollen alle Jobs bis 2017 sicher bleiben und sogar noch kurzfristig 500 Ingenieure eingestellt werden. Die Werke in Köln und Saarlouis erhielten langfristige Produktionszusagen. Köln soll sogar ab Herbst 2012 weltweit einzige Fertigungsstätte des Erfolgsmodells Fiesta werden.

    Erneuerbare Energien sind spätestens seit der Finanzkrise auch in der Automobilindustrie ein beherrschendes Thema. Zunächst für Jahre verschmäht, sind Elektroautos in Zeiten hoher Ölpreise zu den Heilsbringern einer ganzen Branche aufgestiegen. Noch stecken die Technologie und die praktische Umsetzung in den Kinderschuhen. Doch die Autokonzerne haben die Zeichen der Zeit erkannt und liefern sich einen regelrechten Entwicklungswettlauf.

    Ford will seine Produktion von Hybrid- und Elektroautos in den USA bis 2013 auf über 100.000 Stück pro Jahr verdreifachen und neue Modelle einführen. Momentan verkauft der Konzern pro Jahr etwa 35.000 Hybridfahrzeuge.

    Obwohl die Ford-Aktie in den vergangenen Monaten von 16,15 auf zuletzt 13,45 Dollar abgefallen war, sehen die meisten Analysten gute Chancen, dass der Wert bald wieder steigen wird. Auch wir glauben, dass Ford wieder die Kurve kriegt und sich im Laufe des Jahres wieder bis auf 18,00 bis 20,00 Dollar vorarbeiten kann.

    General Motors Company

    Auch General Motors hat seit seiner krisenbedingten Insolvenz im Jahr 2007 einen weiten Weg zurückgelegt. Ähnlich wie Ford hatte der einst weltgrößte Automobilkonzern zu lange an der Realität des Marktes vorbeigewirtschaftet und wurde von der Finanzkrise kalt erwischt. Ein Jahresverlust von 38,7 Milliarden Dollar 2007 brach dem Konzern das Genick. Die General Motors Corporation hörte auf zu existieren und wurde nur durch massive Staatshilfen soweit hergestellt, dass sie heute als General Motors Company versuchen kann, wieder an alte Erfolge anzuknüpfen.

    Auch GM musste sein Markengerüst umbauen: Hummer wurde eingestellt, Saab siecht dahin und die deutsche Tochter Opel wurde mit über drei Milliarden Euro an Staatshilfen gerettet. Lange schien es, als würde GM Opel abstoßen, doch letztendlich entschieden sich die Amerikaner dafür, das Unternehmen zu behalten. Schließlich leistet Opel einen wichtigen Beitrag zu Forschung und Entwicklung bei General Motors. Umso erstaunlicher ist es, dass GM jetzt zwei seiner Marken gegeneinander auszuspielen scheint und seiner Hausmarke Chevrolet auf Kosten von Opel einen Wettbewerbsvorteil in Deutschland sichern will.


    Achtung GM! Auch Opel blickt auf eine stolze Tradition zurück...

    Momentan hat Chevrolet in Deutschland einen lächerlich geringen Marktanteil von 0,9 Prozent – etwas mehr als ein Zehntel des Opel-Marktanteils. Doch soll das Sortiment ausgebaut werden und bis 2014 ein jährlicher Absatz von bis zu 60.000 Autos erzielt werden. Aktuell verkauft Chevrolet pro Jahr rund 32.000 Fahrzeuge in Deutschland. Mittlerweile sind auch Modelle des 2005 übernommenen südkoreanischen Autobauers Daewoo in das Chevrolet-Sortiment eingegliedert worden. Chevrolet selbst ist eine Legende der Automobilbranche und kann seine Geschichte bis ins Gründungsjahr 1911 zurückverfolgen. Das bekannteste Modell ist bis heute der erstmals 1953 gebaute Sportwagen Corvette.

    Ende des Jahres soll das Elektrofahrzeug Chevrolet Volt auf dem deutschen Markt eingeführt werden. Auch hier bestünde unmittelbarer Wettbewerb mit dem fast identischen Opel Ampera.

    Während also Chevrolet von General Motors volle Rückendeckung erhält und vermutlich in einen Preiskrieg mit den Opel-Modellen eintreten wird, reagiert die Opel-Belegschaft mit wachsendem Zorn. Zwischenzeitlich machten auch neue Verkaufsgerüchte die Runde und sorgen für zusätzliche Verunsicherung.

    Dabei wäre Opel inzwischen wieder attraktiver für Investoren als noch vor einem Jahr. Allein in den Wochen zwischen Januar und Mai 2011 wurden 106.652 neue Opel in Deutschland zugelassen, rund 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit wuchs Opels Marktanteil von 7,4 auf acht Prozent.

    Definitiv muss Opel nicht mehr als Sorgenkind des GM-Konzerns bezeichnet werden. Diesen Titel belegt momentan die schwedische Tochter Saab. Diese stand bereits kurz vor dem Bankrott, konnte sich aber quasi in letzter Sekunde einen neuen Kredit verschaffen und ihren 3.700 Angestellten die bereits überfälligen Juni-Gehälter auszahlen. Dank der Investmentgesellschaft Gemini, welche im Mai bereits einmal Geld zuschoss, stehen 66 Millionen Euro zur Verfügung, um die kommenden Wochen zu überstehen. Ein Teil der Summe stammt auch aus dem Verkauf von Fabrikanlagen.

    Damit ist die Insolvenz jedoch noch nicht abgewendet. Saab muss jetzt dringend zu einer Einigung mit seinen Zulieferern kommen, die aufgrund ausstehender Rechnungen keine neuen Teile mehr liefern. Seit April steht die Autoproduktion bei Saab quasi still. Jetzt sollen die Bänder wieder anlaufen, um gut 10.000 ausstehende Bestellungen abzuarbeiten.


    Welche Zukunft erwartet die Urgesteine der Autoindustrie?

    Die General Motors-Aktie verlief in den letzten Monaten ziemlich volatil. Insgesamt ging das Papier seit Jahresbeginn von 39,50 auf zuletzt 30,30 Dollar zurück. Insgesamt hat sich jedoch die Situation für GM soweit gebessert, dass in den nächsten Wochen mit einem  Anstieg der Aktie gerechnet werden kann. Wir sehen gute Chancen, dass bald wieder der Januar-Stand erreicht werden kann. Vor allem das Schicksal der Marken Opel und Saab dürfte dabei den Kurs beeinflussen.

    Fazit:
    Die beiden großen US-Hersteller, welche für Sie als CFD handelbar sind, befinden sich auf dem Weg der Besserung. General Motors kann nach wie vor nicht im Leerverkauf gehandelt werden, für Ford sind wieder Shortpositionen möglich. Aktuell machen jedoch beide Unternehmen so gute Fortschritte, dass es nicht sinnvoll erscheint, auf fallende Kurse zu setzen.

    Wenn Sie einen dieser Werte oder auch beide Ihrem Depot hinzufügen möchten, sollten Sie definitiv die weitere Entwicklung der einzelnen Tochtermarken im Auge behalten. Entwickelt sich das Wachstum der beiden Autohersteller weiterhin besser als von den Analysten erwartet, bieten die US-Autolegenden wieder hervorragende Chancen.

    Matthias Protzel

     

    Ausblick

      HanseTrader HanseTrader Meta Kursziel Tendenz
    Ford
    F (US) - 20,00 US-Dollar  
    General Motors
    GM (US) - 38,00 US-Dollar  

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