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Vier Asse für ein CFD - Teil I

    Di, 27/05/2008 - 15:41 – M.Pickert

    Was der CFD-Trader von den Poker-Profis lernen kann
    Durch das Lesen meiner letzten Artikel in unserem Market Report haben Sie bereits einige Informationen über meinen beruflichen Werdegang erhalten. In diesem Artikel möchte ich mich heute mit einem Thema befassen, welches mich auch privat sehr fasziniert.

    Ein großes Hobby von mir ist das Kartenspiel Texas Hold'em, die wohl zurzeit populärste Variante des Pokerspieles. Bei fast jedem Spiel sehe ich mich mit Situationen konfrontiert, die mir aus meinem Tradingalltag nur zu gut bekannt scheinen.

    Schon als Kind wusste ich was Pokern ist. Dies habe ich dem Umstand zu verdanken, dass ich früher zusammen mit meinen Schwestern die Serie Bonanza regelmäßig im Fernsehen angeschaut habe. Dementsprechend hielt ich Poker für das Spiel der Cowboys, die Whiskey trinkend in einem verqualmten Saloon saßen und dort um hohe Beträge oder Haus und Hof spielten. Manchmal, so wurde mir durch die Serie suggeriert, war das Spiel sogar der Anlass für eine Schlägerei, im schlimmsten Fall wurden sogar die Waffen gezogen. Wen wundert es da, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht aktiv gepokert habe – wie gesagt, ich war noch ein Kind!


    Auch beim Pokern ist nur handlungsfähig, wer liquide ist...

    Erste Spielversuche unternahm ich einige Jahre später, als Poker sich in meiner Schulklasse großer Beliebtheit erfreute. Damals kannte ich allerdings nur Draw Poker, die Variante welche auch im Wilden Westen gespielt wurde; bei der jeder Spieler fünf Karten erhält. Nach dem sich die Euphorie bei uns wieder gelegt hatte verlor ich das Spiel weitestgehend aus dem Sinn, wobei ich gelegentlich neue Informationen erhielt. So wurde mir in einer Folge der Science Fiction-Serie Star Trek – The Next Generation durch einen Androiden verdeutlicht, dass es weit mehr als nur eine Variante des Pokerspieles gibt.

    Die erhöhte Medienpräsenz von Texas Hold'em in den letzten Jahren ist auch an mir nicht spurlos vorbei gegangen. Als ich das erste Mal im Fernsehen die Profis in Las Vegas spielen sah, war ich wie gefesselt. Glücklicherweise ging es vielen in meinem Bekanntenkreis ähnlich, womit sich Texas Hold´em in den letzten Jahren bei abendlichen oder wöchentlichen Treffen als "unser" Spiel etabliert hat.

    Die Regeln des Spiels
    Ich werde nun versuchen, Ihnen die Grundregeln des Spieles in verkürzter Form näher zu bringen. Falls Sie bereits ein Pokerfreund sind, verzeihen Sie mir bitte, dass ich an dieser Stelle nicht auf jeden einzelnen Aspekt eingehen kann. Texas Hold'em ist aktuell das beliebteste Pokerspiel weltweit. Anders als beim Draw Poker, wo jeder Spieler fünf Karten auf der Hand hält, werden hier fünf Gemeinschaftskarten aufgedeckt, die jeder Spieler zu seinen eigenen zwei verdeckten Karten hinzuzählt. Es gewinnt der Spieler mit dem besten Blatt, bestehend aus fünf Karten.

    Ein weiterer Unterschied zwischen Texas Hold'em und dem Draw Poker findet man beim Grundeinsatz vor dem Austeilen der Karten. Während beim Draw Poker jeder Spieler einen Grundeinsatz bringt, zahlen diesen beim Texas Hold´em nur zwei Spieler, die sogenannten Blinds. Der linke Nachbar des Dealers, erkennbar durch den meist weißen Dealer-Button, ist der Small Blind, er zahlt die Hälfte des Mindesteinsatzes in der ersten Runde. Links von ihm sitzt der Big Blind, welcher den gesamten Mindesteinsatz zahlt. Nun werden die Karten ausgeteilt: Jeder Spieler erhält aus einem 52-Kartenblatt je zwei verdeckte Karten. Die erste Setzrunde beginnt beim Texas Hold´em mit dem linken Nachbar des Big Blinds, der nun folgende Möglichkeiten hat:

    - Fold: Er wirft seine zwei Karten weg und beteiligt sich nicht an der Runde.
    - Call: Er geht den Mindesteinsatz mit.
    - Bet/Raise: Er erhöht den Einsatz.

    So trifft nun Spieler für Spieler die Entscheidung, wie er mit seinen Karten verfahren möchte. Wenn vorher nicht erhöht worden ist, braucht der Small Blind zum mitgehen nur seinen Einsatz auf den Mindesteinsatz aufzufüllen und der Big Blind kann entweder checken, d.h. keinen weiteren Einsatz in den Pot zahlen oder aber raisen. Eine Setzrunde gilt dann als beendet, wenn alle am Pot beteiligten Spieler denselben Betrag in den Pot gezahlt haben. 

    Nach der ersten Setzrunde werden drei offene Karten vom Kartengeber in die Mitte des Tisches gelegt, hierbei handelt es sich um den sogenannten Flop. Es beginnt jetzt der Spieler links vom Dealer. Er hat folgende Optionen:

    - Check: Er schiebt. Wenn alle Spieler checken, ist die Runde beendet.
    - Bet / Raise: Er erhöht den Einsatz.
    - Fold:  Er wirft seine Karten weg und gibt auf.

    Diese Runde ist wiederum beendet, wenn alle Spieler denselben Betrag in den Pot gezahlt haben oder reihum gecheckt wurde.


    Berge von Gewinnen -  mit der richtigen Strategie möglich...

    Es folgt der Turn, der Dealer legt eine weitere offene Karte in die Mitte und die dritte Setzrunde beginnt (genauso wie die zweite Setzrunde). Im Anschluss folgt der River, die letzte Gemeinschaftskarte beim Texas Hold´em. Im Anschluss beginnt die letzte Setzrunde. Unmittelbar nach dem Ende der Setzrunde kommt es zum Showdown, d.h. die Karten der Spieler, die noch am Spiel beteiligt sind, werden aufgedeckt und der Pot geht an den Spieler mit dem besten Blatt.

    Den richtigen Rahmen bestimmen
    Noch bevor ich mit dem Spielen beginne, muss zunächst festgelegt werden, welche Texas Hold'em Variante gespielt werden soll. Diese können grob wie folgt unterteilt werden:

    - Cash Game: Bei dieser Variante sind die Blinds während des gesamten Spieles konstant. Die Chips der Spieler entsprechen dem Geld, welches er zum Spielen nutzen kann. Wenn ein Spieler keine Chips mehr hat, kann er sich neu einkaufen vorausgesetzt, dass er noch über weitere liquide Mittel verfügt. Der Spielanbieter (z.B. ein Kasino) behält von jedem Pot einen prozentuellen Betrag ein. Den Ausführungen vieler Profispieler zufolge ist diese Variante diejenige, in der am konstantesten Geld verdient werden kann.

    - Sit and Go: Bei dieser Variante werden die Blinds regelmäßig erhöht. Jeder Spieler entrichtet zu Beginn einen festgelegten Betrag, der auch ein Entgelt für den Spielanbieter beinhaltet. Hierfür erhält jeder Spieler Chips, deren Wertigkeiten für alle Spieler gleich sind aber nicht dem zu Beginn gezahlten Betrag entsprechen (z.B. muss für ein Spiel der Betrag von fünf Dollar entrichtet werden, die Spieler erhalten hierfür 1.500 Chips). Der von allen Spielern eingezahlte Betrag wird prozentuell unter den letzten Spielern des Tisches aufgeteilt. In der Regel sind an einem Tisch für zehn Akteure die letzten drei „im Geld“. Nach dem Ausscheiden ist ein erneutes Einkaufen in das bestehende Spiel nicht mehr möglich.

    - Multi Table Tournament: Diese Variante ist ähnlich aufgebaut wie ein Sit and Go Spiel, allerdings gibt es hier nicht nur einen, sondern mehrere Tische. Diese werden im Verlauf des Turniers reduziert, wenn Akteure ausgeschieden sind. Am Ende kommt es dann zu dem Final Table, den letzten Tisch an dem der Sieger bestimmt wird. Je nach Größe des Turniers wird das Startgeld an die besten Spieler verteilt. Beim letzten Main Event der World Series Of Poker (WSOP) traten 6.358 Spieler an, das Startgeld wurde unter den besten 621 Akteuren aufgeteilt. Während der erste, der sich im Geld aus dem Turnier verabschiedete, mit 20.320 Dollar zufrieden sein musste, konnte der Gewinner des Events, Jerry Yang, stolze 8.250.000,- USD sein Eigen nennen.

    Beim Trading müssen Sie natürlich nicht zwischen verschiedenen Tischen wählen, trotzdem sind einige generelle Entscheidungen vor der ersten Handelsaktivität festzulegen. Zunächst gilt es für den Anleger, einen geeigneten Handelsplattform-Anbieter zu finden. Achten Sie hierbei nicht ausschließlich auf die Handelsgebühren, zumal viele CFD-Anbieter es zu einer eigenen Wissenschaft erklärt haben, Gebühren zu erheben ohne diese als solche zu bezeichnen. Daher sollten Sie unbedingt auch ein kritisches Auge auf die jeweiligen Finanzierungssätze für Overnightgeschäfte werfen, die Möglichkeit einer Guthabensverzinsung abstimmen sowie in Erfahrung bringen, wie und zu welchem Umtauschkurs entstandene Gewinne und Verluste in die Heimatwährung konvertiert werden. Neben den Tradingkosten gibt es natürlich weitere Fakten, die für oder gegen einen Anbieter sprechen können. Hier fallen mir Begriffe wie z.B. Servicequalität, Produkthorizont und Erreichbarkeit des Anbieters ein.

    Auch ist es wichtig, ein Handelsinstrument zu finden, welches gewährleistet, dass Ihre Handelsstrategie optimal umgesetzt werden kann. Natürlich müssen Sie nicht jedes Detail eines Unternehmens kennen, bevor Sie einen Trade wagen, aber wenn Sie eine Reihe von Punkten im Vorfelde prüfen, können unliebsame Schwierigkeiten bis zu einem gewissen Grad vermieden werden.

    - Allgemeine Informationen: Natürlich ist es von Vorteil, Informationen wie z.B. die Handelszeiten oder die Marginanforderung eines Instrumentes vor einem Trade in Erfahrung gebracht zu haben. Auch kann es durchaus sinnvoll sein, sich einen kurzen Überblick über den aktuellen Chart (gibt es zurzeit einen Trend, befindet sich der Wert in der Nähe einer signifikanten Marke etc.) und wichtige Fundamentaldaten (wird aktuell eine Kapitalmaßnahme durchgeführt, ist das Unternehmen an einer Übernahme beteiligt etc.) zu verschaffen, um unliebsame Überraschungen bereits im Vorfeld auszuschließen.
      
    - Volatilität: Verschaffen Sie sich einen Überblick, wie stark das Instrument in der näheren Vergangenheit geschwankt hat. In der Regel gilt, dass auf Grund der geringeren Liquidität  Nebenwerte volatiler als Hauptwerte sind. Ein Instrument, dessen Wert aus verschiedenen Kursen gebildet wird (z.B. Aktien Index oder Sektor), wird in den meisten Fällen nicht so schwankungsfreudig wie ein Einzelwert sein.

    - Liquidität: Achten Sie darauf, dass genügend Volumen für Ihre Trades auf den Geld- und Briefseiten Ihres Instrumentes vorhanden ist. Es ist wichtig, dass Sie sich jederzeit frei bewegen können, ohne den Kurs dabei stark zu beeinflussen.

    Auf jeden Fall sollten Sie einen weiteren Punkt beachten, bevor Sie mit dem Traden oder dem Pokerspiel beginnen. Beides sind Tätigkeiten, die ein Hochmaß an Konzentration und Aufmerksamkeit erfordern. Somit sollten Sie sicherstellen, dass Ihre Aktivitäten in einem Umfeld stattfinden, dass Ihnen die notwendige Ruhe ermöglicht. Wenn Sie dieses Umfeld nicht haben oder vielleicht zur Zeit durch andere, wichtige Gedankengänge abgelenkt sind, kann es durchaus sinnvoll sein, auf das Spielen am Markt wie auch am Pokertisch zu verzichten. 

    Die verschiedenen Spielertypen
    Beim Poker gibt es unterschiedliche Spielertypen bzw. Spielweisen, auf die ein Akteur zurückgreifen kann. Als Tight wird eine Spielweise bezeichnet, in der nur die besten Starthände gespielt werden. Dem gegenüber steht der Begriff Loose, welcher einen Spieler kennzeichnet, der sehr viele Hände, auch mit minderer Qualität, spielen möchte. Des Weiteren werden die Begriffe Aggressive und Passive verwendet, um eine Aussage zum Wettverhalten des Spielers zu treffen. Somit ergeben sich folgende Spielertypen:

    - Tight-Aggressive: Dieser Spieler spielt nur die besten Starthände und wird daher selten in das Geschehen eingreifen. Wenn er allerdings meint, dass er gute Chancen hat, so wird er dies durch sein aggressives Wettverhalten verdeutlichen. Diese Spielweise ist gut für Anfänger geeignet.

    - Tight-Passive: Auch dieser Spieler wird sich nur mit sehr soliden Händen in den Pot begeben. Allerdings wird er hierbei nur selten versuchen, die Initiative am Tisch zu übernehmen, er wird viel mehr die Wetten der anderen Spieler mitgehen. Diese Spielweise ist nach einer schlechten Phase gut geeignet, da hierbei mögliche Verluste klein gehalten werden.

    - Loose-Aggressive: Dieser Spielertyp wird in der Fachsprache auch Maniac genannt. Er spielt so gut wie jede Hand und kombiniert diesen Faktor mit einem aggressiven Wettverhalten. Diese Spielweise kann nur sehr erfahrenen Spielern angeraten werden.

    - Loose-Passive: Hierbei handelt es sich um den beliebtesten Gegenspieler, denn dieser wird mit fast jeder Hand die Wette eines anderen mitgehen, solange auch nur der Hauch einer Chance besteht, den Pot zu gewinnen. Er wird allerdings nur selten versucht sein, die Initiative selber in die Hand zu nehmen. Von dieser Spielweise ist abzuraten.

    Erfahrene Pokerspieler verstehen es natürlich, die unterschiedlichen Spielweisen zu kombinieren, ansonsten wären sie nach kurzer Zeit leicht für die Gegner am Tisch einzuschätzen. Auch muss die Spielweise immer wieder auf das Verhalten am Tisch (z.B. Spielweise der Gegner, Summe der eigenen und gegnerischen Chips) angepasst werden.

    Welcher Tradingtyp sind Sie?
    Übernehmen wir die Begrifflichkeiten des Pokerns und übersetzen Sie auf das Gebiet des CFD-Tradings, so kann Tight oder Loose auf die Tradingfrequenz eines Anlegers bezogen werden, während Aggressive oder Passive eine Aussage über die Positionsgröße, also auch den Hebel oder das Risiko pro Trade im Bezug auf die Kontogröße beschreiben kann. So würde ich eine Strategie, bei der pro Trade mehr als fünf Prozent des Gesamtkontos riskiert werden, als aggressiv bezeichnen. Auch eine Positions Pyramidisierung deutet im Vergleich zum Pokerspiel eher auf Aggresivität hin, da hier der Anleger die Initiative ergreift, er passt also seine Position aktiv an die Wertentwicklung des gehandelten Instruments an.

    Eine passive Tradingstrategie wird sich durch ein deutlich geringeres Risiko pro Trade auszeichnen, vielleicht 0,5 oder ein Prozent des Kontostands. Der Trader wird hier nur selten die Positionsgröße verändern, und darauf warten, ob sein Trade aufgeht oder nicht. Mit diesem Ansatz stellt er sicher, dass mögliche Verluste sein Handelskonto nur bedingt in Schwierigkeiten bringen können.

    Die Tradingfrequenz eines CFD-Händlers kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Da im Poker die Begriffe Tight und Loose auf die Starthand des Spielers bezogen sind, macht es Sinn, für die Verwendung im Trading eine ähnliche Prämisse zu setzen. Anstelle der Karten bietet sich hier die gehandelte Strategie eines Anlegers an.


    Mit der richtigen Strategie ist Tricksen nicht nötig...

    Eine Loose-Strategie könnte für einen spekulativen Strategieansatz stehen. Ein solcher Anleger wird wahrscheinlich auch mit Indikatoren arbeiten, allerdings wird er diese so bestimmen, dass er frühzeitig seine Position eröffnen kann. Er wird also im Vergleich eine höhere Tradingfrequenz als der Tight-Anleger aufweisen und gelegentlich zu den besseren Preisen einsteigen können, allerdings nimmt er hierfür eine geringere Trefferquote seiner Trades in Kauf. Einige der erfolgreichsten Volatilitätsstrategien lassen sich diesem Segment zuordnen.

    Eine Tight-Strategie könnte hierbei für einen konservativen Ansatz stehen, also einen Anleger, welcher nicht nur einen Indikator für seine Tradingentscheidung benutzt, sondern mit der Kombination von verschiedenen Indikatoren und Filterregeln versucht, eine möglichst hohe Trefferwahrscheinlichkeit seiner Handelssignale zu erzielen. Dieser Anleger geht bewusst das Risiko ein, manchen guten Trade zu verpassen oder erst zu einem späteren Zeitpunkt bei einem schlechteren Preis einzusteigen. Viele erfolgreiche Trendfolgestrategien lassen sich in diese Gruppe einordnen.

    Welche Strategie ist die Beste?
    Welcher der hier nun beschriebenen Ansätze ist am erfolgreichsten beim Handel mit CFDs? Diese Frage ist für das Trading genau so schwer zu beantworten wie beim Poker. Ich schaue mir schon seit Jahren gerne die Turniere der Profispieler im Fernsehen an. Als ich dann anfing, selber Texas Hold'em zu spielen, versuchte ich zunächst, den Spielstil eines meiner Idole, Gus Hansen, zu kopieren. Er gilt aktuell als einer der besten Vertreter der Kategorie Loose-Aggressive. Nach einigen Wochen merkte ich, dass dieser Spielstiel bei mir nicht funktionierte. Dieses liegt aber nicht am Spielstiel selber, den Gus Hanson beweist mir ja immer wieder, dass er mit seinem Spiel zu den Top Pokerprofis der Welt zählt. Es liegt vielmehr daran, dass dieses Spiel nicht zu mir passt, ich mich damit nicht wohlfühle, und nebenbei, ähnlich wie Intradaytrading absoluten Profis vorbehalten sein sollte.

    Auch im Aktienhandel kann es passieren, dass Ihnen jemand eine Strategie vermittelt, die erfolgreich eingesetzt wird, Sie aber mit dieser Strategie erheblich Schwierigkeiten haben, da Sie z.B. nicht an Ihre Risikobereitschaft angepasst ist. Somit gilt für Pokern wie Trading, dass es bei der Wahl der Strategie nicht richtig oder falsch gibt, sondern es vielmehr darum geht, eine Strategie zu finden, mit der wir uns wohl fühlen. Trotzdem möchte ich versuchen, eine grobe Einordnung der vier Strategietypen vorzunehmen.

    - Tight-Passive:  Eine solche Strategie ist sicherlich für Anleger, welche bisher über wenig Handelserfahrung verfügen, genauso geeignet wie für Trader, welche von der Einstellung eher konservativ sind. Die Strategie stellt sicher, dass nicht zu viele Handelssignale erzeugt werden und die Verluste, aber auch die Gewinnmöglichkeiten begrenzt sind. Der Trader kann somit über einen langen Zeitraum handeln und wertvolle Erfahrungen sammeln.

    - Tight-Aggressive: Diese Strategie kann von Anlegern benutzt werden, welche schon über einige Handelserfahrung verfügen. Die Tradefrequenz wird durch die Strategie  eingegrenzt und durch das größere Risiko pro Trade sind hiermit auch schon beachtliche Gewinne möglich. Allerdings muss beachtet werden, dass beim Handeln wie beim Pokern immer wieder Verlustserien auftreten. Sollte das Risiko pro Trade zu hoch gewählt worden sein, kann das Konto in Gefahr geraten. Es bietet sich hier an, mit einer Positions-Pyramidisierung zu arbeiten, bei anhaltenden Verlusten kann vorübergehend auf Tight-Passive umgestellt werden.
      
    - Loose-Passive:  Erfahrenen Anlegern, die viel Zeit für den Handel haben, bietet dieses Konzept die Möglichkeit, sehr viele Handelssignale zu generieren und gelegentlich frühzeitig einen Einstieg zu finden. Allerdings wird dieser auf Kosten der Trefferquote der Handelssignale geschehen. Durch das geringe Risiko pro Trade bietet diese Strategie die Möglichkeit, auch längere Verlustserien zu überstehen.

    - Loose-Aggressive:  Wie beim Pokern sollte diese Strategie nur von sehr erfahrenen Anlegern oder Profis genutzt werden. Die mentalen Anforderungen an den Händler sind immens. Es werden bei geringerer Trefferquote sehr viele Transaktionen durchgeführt, und durch das hohe Risiko pro Trade können kleine Fehler schon erhebliche Verluste mit sich bringen.

    Zusammenfassend würde ich dazu tendieren, eher eine Tight-Handelsstrategie zu wählen, ob diese nun aggressive oder passive gehandelt wird, hängt vom Erfahrungsgrad und der Risikobereitschaft des jeweiligen Traders ab. Wie schon oben erwähnt macht es Sinn, das Risiko pro Trade bei einer anhaltenden Verlustserie in Richtung passive zu bewegen. Der Ansatz, entstandene Verluste durch einen aggressiven Ansatz möglichst schnell kompensieren zu wollen, ist meistens der Anfang vom Ende des Handelskontos. Dieses gilt uneingeschränkt für den Trader wie auch für den Akteur am Pokertisch.

    In der nächsten Ausgabe des Market Reports werden wir unter anderem auf die „richtige“ Wetthöhe beim Pokern eingehen und versuchen, hieraus Schlüsse auf die Positionsgröße beim Traden zu ziehen. Auch werden wir uns mit dem Thema Wahrscheinlichkeiten und Psychologie beschäftigen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Trades oder ein gutes Blatt, in jedem Fall aber gute Entscheidungen, denn diese sind für Ihren Erfolg unabdingbar.

    Matthias Pickert
     

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